Tag Archives: Lärmschutz

ERGEBNISSE WORKSHOP LÄRMAKTIONSPLANUNG

In einer sehr effektiven Versammlung nebst Workshop von sicherlich rund 50 Anwohnern und den Mitarbeitern des Umweltamtes konnten wir Anregungen der letzten 2 Jahre für die nächsten 20 Jahre sammeln und verdichten.

Dies sind Vorschläge wie auch Fakten. Wunschdenken wie Minimalforderung. Allem voran steht folgende Erklärung wie Erkenntnis:

DIE INITIATIVE IST SICH BEWUSST, DAS MAßNAHMEN NICHT ZUR VERSCHIEBUNG DER VERKEHRSSTRÖME IN ANDERE BEWOHNTE BEREICHE FÜHREN DÜRFEN.

Lärmkartierung Straßenverkehr 2012

Lärmkartierung Straßenverkehr 2012

VERKEHRSVERMEIDUNG GEHT VOR BESCHLEUNIGUNG. DIE SIEDLUNGEN ROSENFELD, SELBSTHILFE, DAS PARKFELD UND DIE RHEINGAUSTRASSE SIND GLEICHERMAßEN ZU ENTLASTEN UND ZU SCHÜTZEN. DIE EIGENTICHE UMGEHUNGSSTRASSE MUSS DIE AUTOBAHN SEIN BZW. WIEDER WERDEN – A643/A66. AUCH EINE WEITERE UMGEHUNG INNERHALB DES GEWERBEGEBIETES FÜR ZULIEFERVERKEHR IST DENKBAR.

Weiteres Vorgehen

Zweck der Zusammenkunft war die Erarbeitung von Vorschlägen und Stellungnahmen zum Lärmaktionsplan des Landes Hessen. Über das Regierungspräsidium Darmstadt laufen dort die gleichen Fäden zusammen wie bei der Planfeststellung zum Neubau der Schiersteiner Brücke und Ausbau von A 643 / Schiersteiner Kreuz.

Die hier stichpunktartig gesammelten Anregungen betreffen einerseits das Land und andererseits die Hoheit der Stadt. Letztlich sind sie gesamtverantwortlich für die Entwicklung in Biebrich und Schierstein und profitieren auch erheblich von den Steuereinnahmen innerhalb des größten zusammenhängenden Gewerbegebietes von Wiesbaden. Es wird Zeit etwas zurückzugeben und nicht mehr Einzelschallverursacher isoliert zu betrachten, wenn man doch gerade mit dem durch die Märkte zunehmenden Verkehr einen erheblichen Ausbau rechtfertigt. Das ist paradox.

Wir werden nun bis Pfingstmontag letzte Anregungen per Mail oder Nachricht entgegennehmen und die das Land betreffenden Argumente und Vorschläge bis Dienstag, den 21. Mai zusammenfassen und an das RP Darmstadt auf den Weg bringen. Die erste Beteiligungsfrist endet am 22. Mai 2013.

Wir machen bereits jetzt diese Ausführungen zum Teil unserer Stellungnahme. Im Folgenden die Ideen und Faktensammlung begleitet von den wichtigsten Folien der Präsentation des Umweltamtes und Kartenausschnitten.

Besonderen Dank möchten wir an dieser Stelle Frau Dr. Döll vom Umweltamt aussprechen. Sie hat unsere Diskussion nicht nur hervorragend fachlich begleitet und die Präsentation zur Verfügung gestellt, sondern auch für uns die während des Workshops gemeinsam erarbeiteten Themenschwerpunkte notiert, die wir nur ein wenig ergänzt haben. Als Leiterin des Bereichs Luft und Lärm hat Ihr Team genau das im Blick, was nicht nur uns immer mehr belastet.

Die gute Zusammenarbeit mit dem Umweltamt zeigt, wie Bürgerbeteiligung wirklich funktionieren kann. Vielen Dank daher für die Unterstützung an den Leiter Herrn Mengden, seinen Mitarbeiter Herrn Schreyer und Herrn Bürgermeister Goßmann.

Auszug Präsentation Lärmaktionsplanung Fristen

Auszug Präsentation Lärmaktionsplanung Fristen

Sammlung von Anregungen – 16.05.2013
zur Thematik Lärmaktionsplanung-Straßenverkehr und weiterführender Maßnahmen – Perspektiven – Verabredungen

LKW/Schwerlastverkehr

  • Schwerlastverkehr reduzieren (insbesondere nachts – Fahrten zur Deponie, Abkürzung statt Autobahnfahren) Ist eine Umsetzung möglich? Wer erstellt ein Verkehrskonzept dafür? Prognose der Zunahme des Anteils an Schwerlastverkehr: von 10 auf 17%
  • LKW-Durchfahrtsverbot (außer Anlieferer) Wie wäre eine Kontrolle möglich? Welche Umleitungen sind möglich? Möglichst nachts keine Anlieferungen
  • Durchfahrtsverbot für LKW über 12t Tag und Nacht → Umleitung auf Autobahn
  • Problem durch Rückstau → Höhe BKA
  • Navigationsleitsystem für LKW → sehr schwierige Angelegenheit
Auszug Präsentation Fehler in Lärmkartierung

Auszug Präsentation Fehler in Lärmkartierung

Gewerbegebiet

  • Keine weitere Ausweitung des Gewerbegebietes, keine Neuansiedlungen
  • Kurzfristiger Vorschlag: Lärmbelastung am Wochenende durch Flohmärkte, z.B. wöchentlich Edeka-Parkplatz (morgens 4/5 Uhr) Flohmarktplatz verlagern (Genehmigung für Flohmarktbetreiber überprüfen, private Flächen, keine städtischen Flächen) → Herr Goßmann setzt sich mit verantwortlichen Ämtern in Verbindung, für eine Lösungsfindung
  • Kurzfristig: jegliche Art von Großveranstaltungen/Sonderveranstaltungen nicht mehr genehmigen
  • Laden-Öffnungszeiten zu lang → keine Begrenzungen möglich? → Landesregelung!
  • Goßmann will das Gespräch mit den Betriebsleitern der großen Firmen suchen → Lösungen gemeinsam finden, Einladung
Auszug Präsentation Lärmminderungsmaßnahmen

Auszug Präsentation Lärmminderungsmaßnahmen

Straßen, Radwege

  • Rückbau der Äppelallee mit grünen Mittelstreifen → Frage nach Verkehrszahlen?
  • Vor BKA → Radweg bauen begleitend Verschwenkung der Fahrbahn, um „Durchschusswirkung“ zu vermindern.
  • Hagenauer Straße → Einbahnstraße?
  • Lärm durch Motorräder → Rennen sind verboten (->Kontrollen)
  • Tempo 30 nachts Hagenauer Straße, Äppelallee (Kontrollen?)
  • Radverkehrskonzept (Hintergrund: Verdreifachung des Radverkehrs, Probleme auf Fußgängerwegen mit einem Meter Breite), Problem durch Ende der Radwege
  • Pflanzung von Bäumen an der Äppelallee  - Evtl. in Kombination mit ohnehin laufender Alleen-Planung und Grünflächenamt?
  • Ampel für Übergang Fußgänger – über die Hagenauer Straße (bestehende Verkehrsinsel, Gefahr durch Autos) → in diesem Zusammenhang: Verkehrskontrollen

Kontrollen

  • Stationäre Geschwindigkeitsmessstation auf der Äppelallee → Umsetzung?
  • Verkehrskontrollen
  • Kontrollen der Motorräder → verbotene Rennen und verbotene Aufrüstung → Ordnungswidrigkeiten
  • Baustellenkontrollen → lärmintensive Nachtarbeit
Auszug Präsentation Verkehrsbelastung und Lärm

Auszug Präsentation Verkehrsbelastung und Lärm

Autobahn betreffend

  • Standspur auf Autobahn freigeben
  • Lärmschutzwände Autobahn 643 → wird durch die LHW nur bedingt umgesetzt. Verlängerung bis Schiersteiner Kreuz anzustreben.

Häuser betreffend

  • Änderungen an Hausfassaden (anderer Putz, absorbierend statt reflektierend)
  • Schutz des Außenwohnbereiches (nicht nur des Innenwohnbereiches), dient zur Erholung, dazu gehören Balkone, Terrassen, Grillplätze,…
  • passive Schallschutzmaßnahmen: Lärmschutzfenster-Finanzierung?
Lärmkartierung Straßenverkehr 2012 Ausschnitt1

Lärmkartierung Straßenverkehr 2012 Ausschnitt

Gesamtlärmkarte

  • Fluglärm, Bahnlärm, Straßenverkehrslärm zusammenfassend betrachten und bewerten.
  • Einzelkarten überlappend darstellen. Wenn rechnerisch einzelne Lärmquellen erfasst werden können, kann man sie auch rechnerisch zusammenführen.

Luftreinhaltung

  • hohe Belastung
  • Reduzierung durch Umweltzone?
  • weitere Maßnahmen?
  • Vorstellung der Ergebnisse Messwagen Umweltamt → Herbst 2013 im Rahmen eines Workshops Umweltamt

Bahnlärm

  • eigener Workshop

Wir danken für die Teilnahme und Unterstützung.

Büttenrede einer lärmgeplagten Anwohnerin

Danke Anke, für diese hervorragende Büttenrede zum politischen Aschermittwoch! 

Video folgt, vorab Auszüge gereimter Meinung einer lärmgeplagten Anwohnerin. Die  Anlage enthält die vollständige Rede.

Die lärmgeplagte Anwohnerin

Als lärmgeplagte Anwohnerin tret ich vor Euch hin – Ihr seht, dass ich im Hemdche bin. Denn das hab ich immer an, wenn ich nachts nit schlafe kann.

Tät mich mein Opa Fritz so sehn – der täte sich im Grab rumdrehen!

Seid gegrüsst ihr liebe Leut, zum 1. Ma steh ich hier heut, um jetzt eine Red zu schwinge, die hoffentlich euch Freud’ werd bringe. Ich heiße Anke und ich bin, des Fliesenlegers Enkelin. Das war der Fliesenleger Henn, den mancheiner von Euch noch kennt. Der aus de Mallmédyerstraas, ganz hinne letztes Haus der Gass.

Ich hab mir lange überlescht, was Euch Siedler so bewescht. Mei Nachbarin hat dann gesaacht, mir sin doch alle lärmgeplaacht, erzähl doch wie ́s uns täglich geht, was doch ein jeder hier versteht.

Die Siedlung gibt ́s jetzt 90 Jahr, ich saach Euch was seitdem geschah. Drum fang ich jetzt – einfach ma an, wie ́s mit uns Siedler so begann.

Damals -  ́sss war der Dr. Naab – schwätzt der Stadt die Bauplätz ab. Un was mer garnit so gleich denkt, die Kärch hat Platz dezu geschenkt.

Schon weit vor 1930, warn unser Vorfahrn furchtbar fleißisch, sie schaffte bis die Knoche krachte, de Rücke un die Baa schlapp machte, schwer habbe se sich all gequält, so hat ́s mein Opa mir erzählt.

Mei Omma gab sich einen Ruck, versetzte den Familienschmuck, um noch weiter Geld zu sparn, für die Backstah ranzufahren.

De Ochsekarrn wurd selbst gezoche, mit 13 Mann – echt ungeloche über endlos weite Strecke, jaah die Männer warn schon Recke.

Sie schleppte, baute Jahr für Jahr – bis endlich alles fertisch war. Die Müh hat sich für all gelohnt, ruhisch hat mer damals hier gewohnt.

War ́s früher auch vielleicht ma laut,  dann höchstens weil die Katz miaut, de Waldi hell im Gadde bellt – oders an de Hoftür schellt.

Das Geschrei der Kinderschar, nahm mä abbenzu auch war. Dann hat die Omma laut gekrische, mir Kinner sind flugs fortgeschliche „Von 1-3 iss Mittaachszeit“ – das war es, was die Omma schreit.

Doch die Idylle hielt nicht lang, als der Straßenbau begann für die „Verkehrsgerechte Stadt“ – ein Narr der des verbroche hat.

Äppelallee – oh Äppelallee – dein Ausbau tut uns heut noch weh, vierspurig heut die Autos fahrn, wo damals noch die Gärtcher warn.

Auch die Hagenauer Straaß, die mehr Feldweg war als Gass wurde meterbreit geteert, damit das Auto besser fährt.

Un wo se jetzt die Straaße hatte, braucht mer garnit mehr lang watte, da war die erste Firma da – „Was daraus wurd - das seht ihr ja!“

Un müsst mein Opa Fritz das sehn – der täte sich im Grab rumdrehen!

Zoobus brennt – warm abgerisse, um die Aldi-Flagg zu hisse. Die Methooode warn fast kriminell, baue wollde se ganz schnell. Wo Vöschelscher un Häscher saase, säumt heut de Zoopalast die Strasse. Die Tierscher sin jetzt innedrin – zum kaufe, – is des nit wirklich schlimm??

Schrebers ́Garten platt planiert, um hemmungslos und ungeniert, Obi/Hornbach hochzuziehn, die Ruhe, die ist seither hin. Un mit allem ging einher – der nicht abreissende Verkehr.

Im Frühjahr wird der Verkehr zur Hölle, alles rast zu Pflanzen-Kölle. Braucht mä dann noch annern Sache, geht’s zu Obi Schnäppscher mache. Fehle Zieschel uffm Dach, nix wie los zum Hornebach.

Möbel gibt’s beim XXL, Mc Donalds backt die Burger schnell, Käs beim Lidl, Milch beim Aldi, Fressnapf für uns Dackel Waldi, Matratze, Küche, Drogerie, ganz Wissbaade rennt hier hinne hie.

Un müsst mein Opa Fritz das sehn – der täte sich im Grab rumdrehen!

Wer da hinne Parkplätz zählt, stellt schnell fest, dass Parkraum fehlt. Un wie mein Mann schon immer sacht, gehört die Siedlung überdacht. Obbe parke, unne wohne – dass tät unser Dächer schone un von de ganze Parkeinnahme, könnte wir in Urlaub fahre,

um die Sonne mal zu sehn, Ach -? – „Wär das nit wunderschön?“

Dieser Vorschlag is beschisse, die Siedlung gehört abgerisse, das meint jedenfalls die Stadt, die scheins eins am Sträußje hat. Täten die hier selber leben, wär ganz anners ihr Bestreben, lebenswerten Raum zu schaffe, stattdesse macht se sich zum Affe.

Bürgermeister, Dezernende – denken meistens nix zu Ende, tanzen nach der Wirtschaft Pfeiffe, tun so garnix recht begreife. Was die wünsche, was die wolle, sofort gibt ́s ne Gesetzesrolle bewilligt schnell an einem Daach, mir Siedler wern da nit gefraacht.

So wird alles zugebaut, ein Chaos sich zusammenbraut, der Kollaps, der is nicht mehr fern – im Rathaus - will des keiner hörn.

Hoffenlich kommt nie der Daach, das mer die Feuerwehr ma braach. Weil auch trotz Tatü-Tata – stehen se im Stau schon ah Un bis die – zu Fuß hier angerannt – isses Häusje abgebrannt. Wards`de auf de Notarztwaache – trotz Martinshorn kann schnell nit fahre, läängst biste elendlich verreckt – weil der zu lang im Stau gesteckt.

Un müsst mein Opa Fritz das sehn – der täte sich im Grab rumdrehen! (…)

Büttenrede – Die lärmgeplagte Anwohnerin

Wieder eine Chance vertan – Die große Koalition verkennt die Zeichen der Zeit

MEINUNG – BERICHT VON DER STADTVERORDNETENVERSAMMLUNG am 7. Februar 2013 zum Thema Lärmschutz an der A 643 und Zusammenhänge.

(Anmerkung: Artikel, die mit “MEINUNG” gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Haltung von allen durch die Initiative “Biebricher gegen Verkehr XXL” vertretenen Bürgern wieder, sondern stets jene des Verfassers.)

An Altweiberfastnacht hat man eigentlich besseres zu tun, als stundenlang mehr oder eher weniger interessanten Disputen und Verwaltungsakten zu folgen, doch das muss man unseren zumeist ehrenamtlichen Stadtverordneten lassen. Sie sind in der Regel in sehr hoher Stückzahl bis spät in die Nacht anwesend, um die vorgelegten Beschlüsse abzuarbeiten. Im Gegensatz zu manch anderem Parlament.

Diese Beschlüsse werden durch die Fachämter vorbereitet, in Ausschüssen abgestimmt und letztlich im Stadtparlament verabschiedet. Nun ist doch wirklich über 2 Jahre in Demos wie Einwendungen und Parlamentsbeschluss deutlich geworden, wie wichtig das Thema Lärmschutz für Biebrich und Schierstein insgesamt ist. Und ein Kernthema von uns. Und dennoch wurden wir in all der Zeit augenscheinlich überhaupt nicht bei den Planungen berücksichtigt.

Beschlossen wurde heute, falls die Klage nicht durchdringt, zusätzlicher Lärmschutz auf der Westseite auf beiden Brückenteilen über insgesamt ca. 1.000 Meter Länge. Auf der östlichen Seite zur Äppelallee hin bleibt es jedoch bei dem ohnehin bereits gesetzlich zugestandenen Lärmschutz zwischen Rheingaustraße und Abfahrt Äppellallee, gegenüber dem Äppelallee-Center.

Dies (bereits auf den Bildern im Artikel zuvor zu sehen) ist unzureichend und müsste nur wenige hundert Meter einseitig Richtung Schiersteiner Kreuz verlängert werden  und hätte einen sicher deutlich messbaren Effekt auf das gesamte Gebiet. Gerade weil eine neue Rampe Richtung Wiesbaden/Frankfurt/Rüdesheim direkt vor das Äppelallee-Center gesetzt wird, Fahrbahnen somit nach vorn rücken und als gerade Beschleunigungsspur naturgemäß erhöhte Lärmemissionen und viele hohe Einzelschallereignisse verursachen. Im Verlauf der Spur kommen bereits wieder die ersten Abfahrten in Sicht, es wird eher niedertourig gefahren. Das Schiersteiner Kreuz selbst liegt teils tiefer. Auch hier wäre Lärmschutz vom Bund zwar wünschenswert, aber wenigstens dieser Sondereinfluss Rampe muss entschärft werden. Im Zweifel durch die Kommune als Träger der Straßenbaulast, hier durch eigene emissionsbehaftete Genehmigungen und Ausbauten ohnehin hauptverantwortlich für die Zunahme an Ziel- und Quellverkehr.

Wie deutlich die kombinierte dunkelrote Lärmfahne von A 643 und Äppellallee-Center/XXXLutz bei vorherrschendem Westwind bis weit in die Siedlungen getragen wird, sieht man hier  bei diesem Ausschnitt sehr gut. Im oberen mittleren Teil der Ellipse baut Mann Mobilia XXXL aus, im linken Teil entsteht die neue Zufahrt. Doch nur das untere linke Viertel des Kartenausschnitts möchte die Stadt schützen.

Lärmfahne A 643

Lärmfahne A 643

Eigentlich sollte es heute nur eine Abstimmungssache sein. Die Grünen brachten den Beschluss dann doch noch auf die Tagesordnung zur Aussprache. Es ging um die Freigabe von Prüfaufträgen und die Zustimmung, im Zweifel aus dem Haushalt der Stadt über die nächsten Jahre die Kosten für rund 900.000 € zu übernehmen. Soweit so gut, doch wie in unserem Appell geschrieben, wurde dabei nur an die Gewerbegebiete und den Zollhafen gedacht. Herr Goßmann, darauf heute angesprochen, meinte mehr nicht tun zu können.  Doch stellt sich die Frage, ob überhaupt nach Bevölkerungsinteressen geprüft wurde, oder rein nach Belastung und Verwertbarkeit der Gewerbegebiete?

Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller wie Kandidat Sven Gerich, als “Biebricher Bub” eigentlich ja potentieller Hoffnungsträger, äußern sich auch nicht wirklich. Zu einer Versammlung unserer Initiative hat in den letzten Jahren keiner von beiden gefunden. Im Wahlkampf gibt man sich auch eher handzahm. Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass.

Die Ortsbeiräte aller Fraktionen in Biebrich und Schierstein sagen eindeutig nein zu Mann Mobilia. In Personalunion oder über ihre Parteikollegen stimmen die Koalitionsparteien  im Parlament dann aber doch dafür. Die große Koalition herrscht unbehelligt, aber ohne Bürgerbeteiligung. Anträge der Opposition werden, nicht nur in unserer Sache, regelmäßig abgebügelt. Es ist ermüdend und ernüchternd zu den Stadtverordnetenversammlungen und Ausschüssen zu gehen. Demokratie geht anders.

Wir hätten bereits aufhorchen sollen, als in der Ankündigung der Klage Wiesbadens zwar vom Schutz der Bevölkerung gesprochen, dies jedoch vor allem mit den Gewerbegebieten auf Schiersteiner Seite verknüpft wurde. Es gab Gespräche der Initiative mit Herrn Goßmann und unser Angebot, bei der Klage mitzuwirken. Parallel liefen seit Ende 2011 ständig Vorbereitungstreffen zum Dialogforum, welches nicht über eine Auftaktveranstaltung im Juni 2012 hinausgekommen ist und klar auch den Ausbau der A 643 zum Thema hatte.

Selbst die begonnen Workshops sind nun augenscheinlich einseitig ausgesetzt, von Seiten der Stadt, nicht von unserer, dabei gäbe es noch so viel zu retten, wenn man sich jetzt sofort konstruktiv hinsetzt und sich fragt, wie Biebrich und Schierstein in 20 Jahren aussehen und angebunden sein soll. Wir haben hier viele gute Vorschläge erarbeitet und konnten sie noch nicht ansatzweise vorstellen.

Dass Geld heute nicht locker sitzt und es viele sinnvolle und wichtige Projekte gibt ist klar, aber wir bezahlen bereits seit Jahrzehnten für vergangene Fehlplanungen und die erheblichen Gewerbesteuereinnahmen aus Wiesbadens größtem Gewerbegebiet sollten zu einem gewissen Maße auch wieder in seinen größten Ortsteil, nach Biebrich fließen.

Statt etwas Geld in die Hand zu nehmen und einen nun sogar neu geschaffenen Lärmkorridor, die Rampe direkt in Sicht- und ungebremster Hörachse auf Höhe der Äppelallee, zu entschärfen, wird genau mit dieser neuen, verbesserten (weil mehr Verkehr aufnehmenden) Auffahrt noch durch das Verkehrsgutachten von Mann Mobilia geworben. Welche Ironie.

Stehen soll die Rampe ca. 2015, mit einem um 45.000 auf 71.000 Quadratmeter vergrößerten Mann Mobilia, ohne Lärmschutz des Bundes an den Autobahnen, ohne Aufnahme der Siedlungen an der Äppelallee in den Lärmaktionsplan des Landes, ohne konkrete Bauleitplanung der Stadt – Gott bewahre.

Wie heute selbst durch die SPD eingestanden wurde, und der früheren Jamaika-Koalition zugeschrieben, gab es schon lange zuvor keine Bauleitplanung, die die nun direkt neben der Schiersteiner Brücke liegenden Gebiete in die Förderung des Bundes hätte bringen können. Alte Industriebrache wie die Knochenmühle ist auch nicht sonderlich schutzbedürftig vor Autobahnlärm.

Doch hier hinkt die Argumentation. Die jetzige Schwarz/Rote Koalition ist jetzt am Ruder und war auch in wechselnder Besetzung an früher dafür verantwortlichen Koalitionen beteiligt.

Der Magistrat hat in 2011/2012 den Bauantrag Mann Mobilia schlampig geprüft und dem Wirtschaftsdezernenten und einem österreichischen Konzern zuliebe alle Umweltaugen zugedrückt und einen unpassenden Bau, zu unpassendster Zeit (Ausbau A 643/671 parallel ab 2013) an unpassendster Stelle genehmigt.

Dies alles wird eine erhebliche Zunahme des Verkehrs mit sich bringen bei unzureichender Erweiterungsmöglichkeit der relevanten Knotenpunkte. Jeder Laie erkennt das.

Heute wurden also 900.000 € zum aktiven Lärmschutz mit bis zu 4 Meter hohen Schallschutzwänden von Gewerbegebiet Knochenmühle und Zollhafen beschlossen. 25 % – 30 % davon würden für die für uns relevante Verlängerung auf der Ostseite der A 643 genügen. Dieses Geld wäre für die Bürger UND die bestehenden Gewerbegebiete ausgegeben worden. Die 900.000 € werden bezahlt für Fehler der vergangenen Legislaturperioden und bringen den jetzt schon betroffenen Menschen wenig bis nichts. Für die ist kein Geld da.

Wieder eine Chance vertan. Die große Koalition verkennt die Zeichen der Zeit.

Wenn es nicht so traurig wäre würde ich sagen

Helau

P.S: Passend dazu folgt in den nächsten Tagen noch eine gelungene Büttenrede einer lärmgeplagten Musterklägerin…