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MEINUNG – Rücksichtslosigkeit auf der Äppelallee bricht sich Bahn

(Anmerkung der Initiative: Artikel die mit “MEINUNG” gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Haltung von “Biebricher gegen Verkehr XXL” wieder, sondern stets jene des Verfassers.)

Ich bin stinksauer.

Ja, Autofahren, vor allem in der Rush-Hour, ist generell kein Spaß. Rücksichtslosigkeit und engstirniger Egoismus sind krankhaftes Zeichen unserer Zeit. Aber was meine Frau und ich gerade erleben mussten, war so noch nicht da.

Leider kann ich es nicht bebildern und vertraue auf die Vorstellungskraft der Leser.

17.30 Uhr – wir fahren aus unserer Ausfahrt (liegt recht mittig zwischen den Wohngebieten) direkt auf die Äppelallee in Richtung Schiersteiner Brücke. Vorne sehen wir bereits den Rückstau an der Kreuzung Friedrich-Bergius-Straße, es sind nur noch etwa 200 Meter einspurig frei befahrbar und wir beschleunigten die ersten Meter.

Zugleich bemerken wir einen PKW (dunkle Limousine, die Dame am Steuer möge sich bitte melden) an der Ausfahrt Malmedyer Straße, der vermutlich schon seit einigen Minuten versuchte, links auf die Äppelallee einzufädeln, also die Fahrspur zu überqueren. Wir bremsen leicht ab, um der Fahrerin das Abbiegen zu ermöglichen.

In diesem Moment rasen 3 Fahrzeuge hintereinander verbotenerweise links an uns vorbei gut 20 Meter über den Mittelstreifen (durchgezogene Linie und nur im Bereich der Ausfahrten zur Querung freigegeben) und schneiden sowohl uns als auch die gerade ausfahren wollende Fahrerin. Es waren 2 Fahrzeuge aus Mainz darunter, was aber keine Rolle spielt. Wesentlich ist, das es eine gemeingefährliche Situation war und auf diesem Mittelstreifen häufig auch Menschen warten, um die viel befahrene Straße zu überqueren. Hätte die Dame berechtigterweise, da wir sie erkennbar ausfahren lassen wollten, die Äppelallee gequert, wäre ihr eines dieser Fahrzeuge mit voller Wucht in die Fahrerseite geknallt.

Und was zudem eine Rolle spielt ist, dass Stadt und Land immer noch nicht begriffen haben, was hier abläuft und sich immer mehr zuspitzt. Es ist schon länger her, noch zu Zeiten als irrigerweise 60 Km/h auf der Äppelallee erlaubt waren, als zuletzt ein Anwohner überfahren und tödlich verletzt wurde. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es hier im Bereich der Siedlungen wieder Unfälle mit schweren Verletzungen oder gar Todesfolge gibt.

Sollte ein solcher vermeidbarer Vorfall zu diesen absehbaren Folgen führen, werden wir sofort Strafanzeige gegen Stadt und Land stellen wegen fahrlässiger Tötung bzw. Körperverletzung.

Weder durch bauliche Veränderungen noch durch geeignete Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Verkehrsüberwachungen scheinen Wiesbaden und das Land Hessen (wechselseitig schiebt man sich die Verantwortungen zu) willens und in der Lage, hier im Bereich der Wohngebiete endlich etwas zu unternehmen. Da seit langem diese Gefahren bekannt sind und auch hier von uns dokumentiert werden, tragen Stadt und Land die Hauptverantwortung für künftige Vorfälle.

Ein Workshop und Dialogforum, das vor rund einem halben Jahr beschlossen wurde und zähfließender als jeder Berufsverkehr umgesetzt wird, ändert nichts an der generellen Fürsorgepflicht und Verantwortung der Straßenverkehrsbehörden für bekannte Situationen.

Manche Anwohner sind verzweifelt, andere wütend, denn Verantwortung der PKW-Fahrer hin und her, so geht man nicht mit Menschen um, denen ihre Lebensqualität geraubt wird, weil jahrzehntelang Stadtplanung und Gewerbeansiedlung ohne Sinn und Verstand betrieben wurde und immer noch wird (XXXL).

Gemäß EU-Umgebungslärmrichtlinie und angesichts der Messwerte hätte ohnehin längst ein Aktionsplan aufgestellt werden können und müssen um hier dem Verkehrslärm gegenzusteuern und somit, wenn man es richtig macht, automatisch auch zur Verkehrsberuhigung beizutragen.

Werte Stadtentwicklungsdezernentin Sigrid Möricke,

bald sind Sie hundert Tage im Amt. Wir wissen, Sie haben kein leichtes Erbe übernommen und jeder will etwas von Ihnen. Doch wir fordern nichts anderes ein als unser Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Ein Gut, das höher anzusiedeln ist als jedes Großprojekt der Stadt. Denn wenn es erstmal Tote gibt, lässt sich dies nicht mehr korrigieren. Handeln Sie bitte und handeln Sie schnell. Die kollektive Verantwortung liegt bei anderen, aber in Ihren Händen liegt der Schlüssel.

Interview durch Pluspunkt Schierstein

Hans Groth, langjähriger Leiter der Ortsverwaltung Biebrich, interviewte gestern nachmittag die Sprecher von “Biebricher gegen Verkehr XXL” auf Höhe der Friedrich-Bergius-Straße. Seine Filme sind auf seiner Seite zu sehen, wurden uns aber auch für unseren Blog zur Verfügung gestellt. Danke dafür!

Herr Groth betreibt eine kleine und feine Internetseite über das Leben in Schierstein unter http://www.pluspunktschierstein.de/

Wir möchten ja gerade mit den gleichfalls betroffenen Schiersteinern auch auf die Problematik der A 643 aufmerksam machen und die Wechselwirkung zwischen Stadtverkehr und BAB, die nicht isoliert betrachtet werden darf.

Deshalb demonstrieren wir dem ASV am 28. Mai gemeinsam, wie wichtig vollflächiger aktiver Lärmschutz ist.

Kurzstatement Birgit Großer zur Entstehung der Situation

Kurzstatement Mario Bohrmann zu Bebauungsplanchaos, Lärmschutz und Demo

Weitere Artikel zur Demo mit durchweg positivem Echo

Einerseits wurden im gestrigen Bericht von uns bereits einige Artikel, insbesondere der Wiesbadener Lokalzeitungen nachgetragen, andererseits kamen noch etliche hinzu, die wir hier nur anreißen und im Titel mit der Quelle verlinken können. Auch unsere Artikelsammlung unter “Presseschau XXL” wurde heute aktualisiert.

So berichtete die Frankfurter Rundschau gleich mit 2 Artikeln, auch die Mainzer Rhein-Zeitung begleitete unseren Demonstrationszug und hörte gut zu und setzte dies um. Ergänzend berichtete die Allgemeine Zeitung Mainz zu den mit uns solidarisierten Kasteler Initaitiven.

Frankfurter Rundschau:

„Die Menschen wurden vergessen“

Das Ehepaar Frohn lebt zwischen den Biebricher Großmärkten – und leidet unter dem Verkehr. FR-Mitarbeiterin Stefanie Helsper hat sie besucht.

Wenn das Ehepaar Frohn samstagsmorgens aus dem Wohnzimmerfenster schaut, sehen die beiden einen Stau: Autos, die zum Baumarkt wollen oder zu Mann Mobilia XXL oder zu Pflanzen Kölle oder oder… Autos, die aufs Abbiegen warten oder an der roten Ampel. „Mehr stopp als go“, kommentiert Thomas Frohn.

Wenn das Ehepaar Frohn samstags selbst irgendwohin fahren will, „dann lassen wir’s oder warten, bis das Chaos vorbei ist“, erzählt Anke Frohn (47). Vorher kommen sie nur schlecht aus der Straße raus – „Linksabbiegen kann man vergessen“ – und stehen dann selbst ewig im Stau. Das gleiche, wenn sie zu den Stoßzeiten von der Arbeit kommen.(…)

“Die Wutbürger von Wiesbaden”

250 Menschen protestieren gegen den Verkehr im Biebricher Gewerbegebiet. Ihr Hauptziel: Den Ausbau des Mann-Mobilia-Marktes in der Äppelallee verhindern.

Da ist nun „Wutbürger“ das Wort des Jahres. Auch in Biebrich haben sich die Bürger in den vergangenen Wochen geregt. Wütend sind auch sie auf die Politik der Stadt. Wütend über den Verkehr auf der Äppelallee und der Hagenauer Straße, der sie in ihren kleinen Siedlungen inmitten des Gewerbegebiets manchmal einkeilt. Am Samstag sind sie nun auf die Straße gegangen.

Rund 250 Menschen haben sich am Siedlerheim der Siedlungen Im Rosenfeld und Selbsthilfe bei eisigen Temperaturen eingefunden zum Marsch durch das Gewerbegebiet. Erst vor zwei Monaten hatte sich die Bürgerinitiative „Biebricher gegen Verkehr XXL“ gegründet.

Mario Bohrmann, Sprecher der Initiative, führt die Demo an. „Wer hat eine schöne Stimme und möchte ein paar Slogans skandieren“, fragt er lachend rum. Die Stimmung ist gut. Aber das Thema ernst. Die lärm- und staugeplagten Menschen fürchten die Expansionspläne des Möbelriesen Mann Mobilia XXXL. Das Verkehrschaos rund um ihre Siedlung werde dann noch schlimmer.(…)

Mainzer Rhein-Zeitung:

Vielen Biebrichern und Kastelern stinkt die hohe Verkehrsbelastung

Biebrich/Kastel - Samstagmittag in der Biebricher Äppelallee: Viele Autofahrer sind auf dem Weg in die umliegenden Bau- und Möbelmärkte, es geht fast nur im Stop-and-Go-Tempo weiter. Einige hupen, schneller kommen sie dadurch aber auch nicht vorwärts. Aus der Nebenstraße Zaberner Straße strömen plötzlich rund 200 von der Polizei begleitete Demonstranten auf die Äppelallee. Sie sind dem Aufruf der Bürgerinitiative “Biebricher gegen Verkehr XXL” gefolgt und protestieren gegen weitere Marktansiedlungen und den Ausbau bestehender Gewerbeflächen wie etwa von Mann-Mobilia (die MRZ berichtete). Sie rufen: “Lärm, Dreck, Stau, für uns täglich der Gau!” Viele ältere Anwohner sind unter den Demonstranten. Sie tragen Plakate mit Texten wie “Hier leben Menschen – Erst denken, dann planen!”, “Ein Leben ohne Verkehr – lange ist’s her!” oder “Wenn die Stadt nichts geregelt bekommt, sind wir die Ordner!” Ein weißes Wohnmobil und ein Trabi-Cabrio fahren mit. Alles geht geordnet über die Bühne, die großen Verkehrsachsen werden schnell überquert, um die Autofahrer nicht zu provozieren. Diese zeigen sich überwiegend verständnisvoll und nehmen Flugblätter entgegen.(…)

Allgemeine Zeitung Mainz:

Auch Kasteler „Wutbürger“ protestieren mit

20.12.2010 – BIEBRICH/KASTEL

(nfl). Am Treffpunkt Paulusplatz auf dem Weg zur Demo versammelten sich 14 Teilnehmer. Frank Porten von der Aktionsgemeinschaft Petersweg (AGP) bekundete bereits auf dem Paulusplatz seinen Unmut. Das von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden ausgewählte Wort des Jahres mache auch in Kastel die Runde: „Wir sind Wutbürger“ , so das Credo Portens, der mit der Teilnahme an der Aktion die „Verantwortlichen der Stadt“ in die Pflicht nehmen will: „So kann es nicht weitergehen, wenn ständig die Lebensqualität abnimmt.“ Er meinte die Lebensqualität der Bürger in beiden Stadtteilen, denn sowohl die Biebricher als auch die Kasteler spürten bereits die hohe Verkehrsbelastung. „Wir haben das Gefühl, dass wir gegeneinander ausgespielt werden sollen“, so Porten.(…)