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Sondersitzung der Ortsbeiräte zum Bauantrag Mann-Mobilia/XXXL am 16.04.2012

Am Montag, dem 16.04.2012, findet um 18 Uhr eine gemeinsame Sondersitzung des Schiersteiner und des Biebricher Ortsbeirats zu den Ausbauplänen des „XXXL-Möbelmarktes“ an der Äppelallee statt.

Ort: Galatea-Anlage, Bürgersaal im 1.Stock, Straße der Republik

Da bei solchen Sondersitzungen erfahrungsgemäß keine Bürgerfragestunde vorangestellt wird, werden wir als Hauptbetroffene vermutlich nicht zu Wort kommen.

Wir denken daher darüber nach, dies als Anlass zu einer spontanen und kurzen “Mini-Demo” vor Beginn der Sitzung zu nehmen, und mit unseren vorhandenen Transparenten  in der Galatea-Anlage zu erscheinen. Aktive bitten wir um kurze Info hierzu über unser Kontaktformular oder die bekannte E-Mailadresse.

Wir müssten spätestens 48 Stunden zuvor eine solche Versammlung anmelden. Es ist hierbei nicht entscheidend, wieder mit 200 oder mehr Menschen zu erscheinen, wie bei unseren vergangenen Demos in 2010 und 2011. Aber wenn, dann wollen wir schon auch sichtbar Flagge zeigen.

In jedem Falle bitten wir möglichst viele Bürger darum, an dieser Sitzung teilzunehmen. Derzeit wird auch eine Magistratsvorlage erarbeitet, die durch das Stadtparlament muss. Es wird jetzt wieder sehr viel Dynamik ins Spiel kommen.

Fluglärmgegner aus Rheinland-Pfalz und Hessen rufen zur Demo in Mainz auf

Die “Biebricher gegen Verkehr XXL” unterstützen den Aufruf zur Flüglärmdemo am Samstag, den 22.10.2011. Der Artikel aus der AZ-Mainz wurde unten eingefügt.

Für uns nur Teil des Problems, weil die Flieger entlang des Rheins im Gedonner des Straßenverkehrs und Schienenlärms nahezu untergehen. Doch so wie wir als Initiative uns wegen eines vermeintlich “nur” lokalen Verkehrsproblems formiert haben, so wurden derweil rechts und links des Rheins zahlreiche lose Gruppen und Initiativen gegen den Fluglärm gegründet.

Solches Engagement ist zu begrüßen und wir danken den dortigen Aktiven, insbesondere Organisatorin Bettina Appelt aus Mainz-Laubenheimdass sie ein solches Projekt in die Hand nehmen. Die Demo beginnt in der Mainzer Innenstadt und verläuft über die Theodor-Heuss-Brücke hinüber nach Mainz-Kastel – mit Kundgebung und Musik an der Reduit. Wir werden Details nachtragen.

Was uns alle verbindet

Der gesammelte Mix aus Lärm aller Art beginnt langsam toxisch zu werden; es wird ohnehin Zeit, dass die Initiativen gemeinsame Ziele verfolgen und nicht nach dem Sankt-Florian-Prinzip Routen nur von rechts nach links verschieben, sondern die Belastungen insgesamt, vielleicht auch zeitlich und geografisch versetzt, gleichmäßiger verteilen. Und vor allem vermeiden wo es geht.

Es mutet schon für jeden Bürger befremdlich an, wenn über jahrzehntelange Planfeststellungsverfahren Versprechungen gemacht wurden, die dann doch nie eingehalten werden. So geht es uns mit der Äppelallee und Hagenauer Straße, so geht es ganz Rhein-Main mit den Flughöhen, Flugrouten und dem Nachtflugverbot – dem Luftverkehr. Die Bürger werden von allen Seiten wirtschaftlichen Interessen geopfert und mehr und mehr wird das Tafelsilber der Kommunen meistbietend verscherbelt, ohne ganzheitliche Betrachtung der Folgewirkungen.

Mainzer und Wiesbadener aller Ortsteile haben gleiche Interessen – Die Rückeroberung von mehr Lebensqualität – und sollten versuchen, sich besser miteinander zu vernetzen, wie es vor einigen Wochen an dieser Stelle formuliert wurde. Lasst uns Bürgerbeteiligung organisieren, wenn die Parlamente offensichtlich nicht dazu in der Lage sind.

Wir wünschen der Demo viel Erfolg und rufen Siedler und Sympathisanten der Verkehrsinitiative dazu auf, sich daran zu beteiligen. Aus Solidarität zu allen Mainzern und Wiesbadenern, die ebenfalls den Lärm als staatlich gesteuerte Körperverletzung erleben.

Für transparente Routenplanung und ein Nachtfluggebebot über dicht besiedeltem Gebiet und für ein Nachtfahrverbot für LKW in Wohngebieten. Dafür sollten wir zugleich aufstehen.

Für ein lebenswertes Biebrich, für eine bessere Lebensqualität in ganz Mainz und Wiesbaden.

 Fluglärmgegner aus Rheinland-Pfalz und Hessen rufen zur Demo in Mainz auf

26.09.2011 – MAINZ

Die Fragen stellte Michael Heinze

Am Samstag, 22. Oktober, 11 Uhr, findet eine große Fluglärmdemo in Mainz statt. Insider rechnen mit Tausenden von Teilnehmern. Die AZ sprach mit Organisatorin Bettina Appelt, einer Fluglärmgegnerin aus Laubenheim.

Frau Appelt, handelt es sich hier möglicherweise um die größte Fluglärm-Demo aller Zeiten in der Stadt?

Wenn man bedenkt, dass 140.000 Menschen im Planfeststellungsverfahren Einwendungen gegen den Ausbau des Flughafens erhoben haben, kann man schon die Hoffnung haben, dass sich Tausende an dieser Demo beteiligen werden. Ob es wirklich die größte Fluglärm-Demo aller Zeiten in Mainz wird, werden wir erst am 22. Oktober wissen.

Was ist Zweck der Demo?

Wir wollen damit ein Zeichen setzen. Der Bevölkerung soll Mut gemacht werden, die momentane unerträgliche Situation nicht widerstandslos hinzunehmen. An die verantwortlichen Politiker heißt das Zeichen: „Übernehmt endlich Verantwortung für Eure Wähler.“

Was ist das Besondere an dieser Demo?

Die Bürgerinitiativen aus Rheinland-Pfalz und Hessen werden erstmals gemeinsam ihren Protest auf die Straße tragen. Das hat es bisher noch nicht gegeben.

Wer genau ist der Veranstalter und wie ist der zeitliche und örtliche Ablauf?

Das Netzwerk Rhein-Main, ein Zusammenschluss von Bürgerinitiativen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet, veranstaltet diese Demo. Beginn ist um 11 Uhr am Mainzer Hauptbahnhof. Von dort zieht der Demonstrationszug quer durch die Innenstadt, über die Theodor-Heuss-Brücke zur Reduit auf die hessische Seite. An der Reduit in Mainz-Kastel findet die Kundgebung statt und anschließend ein Konzert mit der Gruppe Jammin´ Cool. Der Ort des Demonstrationsbeginns und das Kundgebungsende wurden bewusst in die Nähe der öffentlichen Verkehrsmittel gelegt, um den Teilnehmern eine gute An- und Abfahrtsmöglichkeit zu bieten.

Wie ist der aktuelle Stand der Vorbereitungen?

Die Vorbereitungsphase läuft noch, es ist eine bunte und fantasievolle Demo mit Motivwagen und Gruppen geplant, auch den Kindern wird ein Platz in dieser Demo eingeräumt – um deren Zukunft geht es ja letzten Endes. Wir liegen mit unseren Vorbereitungen gut in der Zeit.

Wie viel Zeit und Geld kostet der Protestzug?

So eine länderübergreifende Demo vorzubereiten kostet natürlich viel Zeit und Geld. Die Menschen sind aber durch den Lärmteppich, unter dem sie jetzt wohnen, stark motiviert und an Helfern mangelt es nicht. Die Finanzierung der Demo ist durch den hohen Spendeneingang gesichert.

Bei der letzten größeren Fluglärm-Demonstration in der Stadt kamen nur 3.000 Menschen zusammen. Wie optimistisch sind Sie, dass sie diese Zahl deutlich überbieten werden?

Am 19. Februar ging es speziell um Mainzer Interessen. Jetzt geht es um die gesamte Rhein-Main-Region, deshalb bin ich optimistisch, dass sich die Zahl der Demonstranten stark erhöhen wird.

Halten Sie es für möglich, dass der Protest gegen den Fluglärm in Mainz und Rhein-Main solche Dimensionen annehmen wird wie beim Projekt Stuttgart 21?

Ob es zu einer großen Protestwelle kommen wird, hängt doch davon ab, wie sich die Politik in den nächsten Wochen verhalten wird: Werden die Ängste der Menschen ernst genommen und unternehmen sie endlich etwas? Oder werden weiterhin nur Phrasen gedroschen? Einige tausend Arbeitsplätze dürfen für eine Landesregierung nicht über der Gesundheit der Bevölkerung stehen.

Dank und Fazit nach der Demo – Auszüge der Kundgebung

Unseren Videoartikel Unsere Demo in den Medien – Video ist online! wollen wir mit weiteren Hintergründen, wie auch einem persönlichen Fazit zur aktuellen Entwicklung ergänzen.

DANKE!

Wir danken zunächst allen Teilnehmern und Helfern bei der Demo, insbesondere Herrn Bernhard Stritter, der uns so unübersehbar mit seinem gigantischen Traktor anführte. Außerdem den vollständig anwesenden Biebricher Ortsbeiräten von SPD und Grünen und des Ortsvorstehers Kuno Hahn, der auf der Zwischenkundgebung ebenfalls das Wort ergriff.

Auch Herrn Atzbach, der uns von Beginn bis zur Abschlusskundgebung begleitete und mit dem Artikel: Da helfen auch keine 330 PS mehr sehr nett berichtete, gebührt unser Dank. Es freut uns, dass die Lokalzeitungen der Verlagsgruppe Rhein-Main wie auch die Frankfurter Rundschau und weitere wichtige Medien Interesse an uns zeigen. Dass der Hessische Rundfunk und dessen freundliche Kamerafrau uns bei dieser Demonstration erneut filmerisch begleiteten, trug ebenfalls sehr zum Gelingen der Kundgebung bei.

Eine gelungene Demo

Auch die Zusammenarbeit mit der Polizei klappte wieder hervorragend und dank guter Vorbereitung und Vorwarnung an die Märkte blieb ein Verkehrschaos aus. Die meisten Verkehrsteilnehmer die wegen der Versammlung kurzzeitig Einschränkungen hinnehmen mussten, nahmen es gelassen und mit Humor.

Allerdings müssen wir unser Lob leicht einschränken. Denn als der unseren Demonstrationszug begleitende und von hinten absichernde Streifenwagen wegen eines Einsatzes aus der Hagenauer Straße abgezogen wurde, drängten und nötigten ein Geldtransporter und ein weiterer PKW von hinten die Demonstranten. Es kam zu Berührungen mit dem Fahrzeug, dass partout mitten durch die Demonstranten zu einer Markteinfahrt wollte. Eine Unverschämtheit, die normalerweise die Polizei verhindern sollte. Unsere Versammlung stand unter dem Schutz des Gesetzes als wesentlicher Bestandteil gelebter Demokratie! Die Firma des Geldtransoporters war den betroffenen Personen am Ende des Zuges leider nicht erinnerlich. Wir hätten sie hier gerne genannt.

In unserem Demovideo sprechen ab Minute 6:35 folgende Stadtpolitiker: Claus-Peter Große, stellvertretender Fraktionsvorsitzender Bündnis90/Die Grünen, Hartmut Bohrer, Fraktion Linke Liste/Piraten, und zuletzt Helmut Fritz, Fraktionsvorsitzender der SPD-Ortsbeiratsfraktion Biebrich. Christoph Manjura, seit 2007 Stadtverordneter und sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion begleitet unseren Umzug von Beginn an genauso wie Heike Denne, Dorothea Andes-Müller, Jörg Wilhelm und Axel Hagenmüller von den Grünen. Auch ihnen danken wir ganz besonders, ob mit Redebeitrag oder nicht. Zeigte sich doch, dass auch die Kasteler Initiativen uns jetzt, wo sie, evtl. auch durch ein wenig Mithilfe von uns, einen so wichtigen Sieg errungen haben, nicht im Stich lasen. Denn XXL kommt nicht nach Kastel. Wir sind uns deren Zusicherung gewiss, uns auch politisch bei der Thematisierung und Problemlösung für Biebrich zu helfen.

Außerdem ergriffen auf der Abschlusskundgebung neben Heike Denne auch Bernd Thielmann das Wort, der für die “FREIEN WÄHLER” im neuen Schiersteiner Ortsbeirat sitzt.

Neues Ungemach durch weitere Handelsflächen

Herr Thielmann mahnte an, dass da erneut ein verkehrsplanerisches Chaos entsteht, da im hinteren Teil der Hagenauer Straße ein riesiges Neubauprojekt geplant ist und noch mehr Belastung von dieser Seite droht. Denn über Schierstein und Biebrich fließt aller Verkehr zu den Gewerbegebieten durch, oder an Wohngebieten vorbei.

Ironischerweise titelt der Immobilien-Makler, welcher die alleinige Vermarktung inne hat, folgendermaßen:

Wiesbaden-Schierstein: Hier tut sich was!

Neubauprojekt Schierstein Webseite Immo-Makler

Ja, kann man sagen. Ob das gut oder schlecht ist, liegt im Auge des Betrachters und der Entwicklung, auch der der Innenstädte, durch die wachsende Konkurrenz mit den Biebricher und Schiersteiner Gewerbegebieten, die derweil längst verschmolzen sind.

Das Angebot insbesondere weiterer Handelsflächen verspricht erheblichen zusätzlichen Verkehr, nicht nur in den Zeiten, die regelmäßig mit den Berufspendlern zusammenprallen. Dabei ist gerade die Hagenauer Straße ein in alle Richtungen zugeparktes Nadelöhr, bei der jede kleinste Störung an Kreuzungen, Zu- und Ausfahrten sofortige, in gnadenloser Gesetzmäßigkeit kulminierende Rückstaus zur Folge hat. Auch in Äppelallee bis hin zur Biebricher Allee und andernorts hinauf zur Saarstraße und zum Blierweg oder durch den Ortskern von Schierstein wird dies derzeit kontinuierlich schlimmer. Navigationsgeräte sind an dieser Stelle Fluch und Segen zu gleich. Denn gerade die kürzeste Route, die auch LKW-Fahrer wegen der Maut gerne neben der Autobahn nutzen, führt immer häufiger durch die Äppelallee oder über Schierstein.

Es ist kein Geheimnis, dass die Stadt am Blierweg ihre Filetstücke an Grundstücken erst noch vermarkten will. Leider nicht als Park-and-Ride-Plätze – Dafür wären sie ideal gelegen, nein, man will natürlich weiter Gewerbeflächen ausweisen. Der eigentlich Grund, warum die Stadt auf Lärmschutz klagen will. Sie macht sich in erster Linie Sorgen um den Marktwert der Grundstücke zwischen Saarstraße und A643, nicht wirklich um das Wohl ihrer Bürger in Schierstein und Biebrich. Sonst hätten wir sicher durch den (alten) Magistrat mehr direkte Unterstützung auch in dem Einwendungsverfahren erhalten müssen. Wir haben darum ersucht.

Man hat den Eindruck, vom Schiersteiner Kreuz bis zum Rheinufer steht alles auf den Gemarkungen Schierstein und Biebrich zum Verkauf und zur maximalen Verwertung an. Doch nicht etwa um, mit Verlaub, an manchen Stellen an Größenwahn erinnernde Stadtentwicklungsprojekte im Volumen von mehr als 500.000.000,- Euro (eine schlappe halbe Milliarde alleine bei Neubau Platz der Deutschen Einheit, Rhein-Main-Hallen, Schlachthof, Stadtmuseum und HSK-Klinikum) zu finanzieren?

Wir finden, über all dies sollte nun wirklich noch einmal laut nachgedacht werden. Mit der Bürgerbeteiligung, die uns die Parteien in ihrem Koalitionsvertrag schriftlich zugesichert haben und die die designierte Stadtentwicklungsdezernentin, Sigrid Möricke, leben will. Wir wünschen ihr dazu allen Mut und Durchsetzungskraft, wenn sich des öfteren herausstellen sollte, dass der Bürgerwille nicht unbedingt mit dem Willen von Stadtvätern und Investoren übereinstimmt.

FAZIT

Wir sind keine Verkehrsplaner, aber wir kennen die vom vergangenen Magistrat zurückgenommene Struckturanalyse zum Gewerbegebiet Schirerstein/Biebrich. Man kann ganz sicher nicht sagen, man habe ja nichts gewusst. Biebrich und Schierstein steht, gerade im Zusammenhang der Erweiterungen von A643, Schiersteiner Kreuz und – Brücke und darauf folgend der A66 bis 2020 unter kontinuierlichem Umleitungsbeschuss. Es steht verkehrspolitischer Totalschaden bevor und ob es danach besser wird, oder wir nur besser angebunden werden, so das noch mehr Verkehr in die Orte gezogen wird, das wissen die Götter. In den Sternen steht es nicht.

Sehenden Auges wurden diese Stadtteile ins Chaos geführt. Es wirkt, als hätte man aufgegeben, da man keine Lösung weiß, außer alles schneller und alles breiter zu machen.

Es gibt eine Zeit nach dem Öl. Der einseitige Ausbau von Verkehrsstraßen zu Lasten von urbaneren Strukturen mit mehr Grün und vor allem sichen Rad- und Fußgängerwegen ist ein Irrweg, der insbesondere von Wiesbaden, dem Rhein-Main-Gebiet und Mainz schleunigst verlassen werden sollte.

Kundgebungsauszüge

Es folgen nun noch einige Textauszüge aus der Kundgebung von Seiten Mario Bohrmann, neben Birgit Großer und Thomas Frohn einer der Sprecher der “Biebricher gegen Verkehr XXL”. Die persönliche Meinung von Mario Bohrmann als Autor dieses Artikels mag auch hier an manchen Stellen eingeflossen sein und nicht mit der Meinung aller “Biebricher gegen Verkehr” oder diese unterstützende Stadtpolitiker übereinstimmen.

Unser Protest in Bezug auf den fehlenden Lärmschutz richtet sich jedoch vor allem gegen die Verkehrsminister von Bund und Land, die nur minimalste Mittel für aktiven Lärmschutz bereitstellen wollen. Die Belastung durch Schall und Lärm wird jedoch heutzutage nicht konkret gemessen, sie wird errechnet. Oder nicht doch eher schöngerechnet? Herr Dr. Ramsauer als Bundesverkehrsminister wie auch Herr Posch als hessischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung und die sie im Planfeststellungsverfahren vertretenden Ämter für Straßen- und Verkehrswesen gehen aus unserer Sicht nur mit äußerster Arroganz auf die Einwendungen und Stellungnahmen von betroffenen Bürgern und Städten ein.

Eigentlich kann man sagen, sie gehen überhaupt nicht darauf ein. Sie arbeiten aus meiner Sicht eher Schemen ab, wie man sie von manchen Versicherungsgesellschaften kennt. Erstmal alles abbügeln, mal schauen, ob die Meckerer das Geld und den Mut haben, zu klagen. Dann evtl. einen Vergleich anbieten oder gleich mit dem Scheckbuch den paar widerspenstigen Nervensägen ein paar Lärmschutzfenster bezuschussen.

So läuft das schon lange in Deutschland und Europa bei Großprojekten, die Besitz und Gesundheit der Bürger beeinträchtigen. Die Obrigkeitshörigkeit war auch in Biebrich vor 4 Jahrzehnten noch zu groß. Die Äppelallee, die nun 2 Wohnsiedlungen durchschneidet, konnte nur gebaut werden, weil unter Androhung der Enteignung viele Anwohner, meist einfache Arbeiter und Angestellte, vor den damaligen, heute überwiegend längst verstorbenen Grundstücksbesitzern und Stadtpolitikern einknickten. Damals übrigens, ohne diesem eine individuelle Schuld für heutige Verhältnisse zuweisen zu wollen, noch unter dem SPD-OB, Rudi Schmitt. Ob Schwarzer, Roter, oder mit Grün und Gelb gemischter Magistrat: in diesem Bereich von Biebrich haben alle Stadtparlamente durchgängig geschlampt und, Entschuldigung, wenn ich das so deutlich sage, die Bürger verarscht. Doch das ist jetzt vorbei. Wir lassen uns nicht mehr mit billigen Ausreden an der Nase herumführen.

WIDERSTAND TUT NOT! Nicht gleich kleinbeigeben. Ich garantiere Ihnen, hätten von Beginn an auch jene entlang der Rheingaustraße liegenden Firmen und Immobilienbesitzer, denen kleine Entschädigungen zur Finanzierung von passivem Lärmschutz angeboten wurden, auf Lärmschutzwände bestanden, wären das Planfeststellungsverfahren zur A643 schon längst durch und wir müssten nun nicht evtl. selbst noch den Rechtsweg beschreiten. Sollte es nun zu Verzögerungen beim dringend notwendigen Neubau der Schiersteiner Brücke kommen, so tragen aus unserer Sicht einzig die Behörden die Schuld, und wir müssen uns evtl. noch einmal hier versammeln.

Auch jenen, denen passiver Lärmschutz, also Schallschutzfester etc. angeboten wurde und die evtl. noch die Möglichkeit haben zu widersprechen, sei ins Stammbuch geschrieben: Wollen Sie eigentlich ihre Fenster auch nochmal öffnen? Bei geschätzten 100.000 Fahrzeugen täglich rauscht es Tag und Nacht über beide Schiersteiner Brücken. Bei geschlossenen Fenstern hören sie vielleicht vom Straßenlärm nichts, aber ohne Lüftung haben sie bald Schimmel an den Wänden. Auch ihre Lebensqualität leidet erheblich. Kein guter Tausch. Seien Sie mutig. Nehmen sie nicht mehr alles hin!

Als die Schiersteiner Brücke gebaut wurde, Anfang der 60er Jahre, gab es in Familien, wenn überhaupt, 1 Fahrzeug, bei sehr wohlhabenden vielleicht bereits 2, maximal. Lärmschutz war in den 60er und 70er Jahren auch kein Thema. Die Belastung durch den Lärm der Schiersteiner Brücke, auch durch noch geringe Geschwindigkeiten niedrig motorisierter Kraftfahrzeuge, war noch hinnehmbar und schaukelte sich erst über Jahre und Jahrzehnte, quasi über Masse mal Geschwindigkeit, hoch. Im Umkreis von 1 km um die Schiersteiner Brücke hören wir bei Tag und Nacht und egal bei welchem Wind, ein kontinuierliches Grundrauschen, der eine mehr, der andere weniger, aber immer ist es da. Doch nun wird ein Neubauprojekt, doppelt so breit, ausgelegt für höhere Geschwindigkeiten und deutlich mehr Verkehr, beabsichtigt. Innerhalb des Rhein-Main-Gebietes, in einem dicht bevölkerten Areal, durch wichtige Naturschutzgebiete hindurch.

LÄRM MACHT KRANK! Medizinisch gesehen steht längst fest, das solche Dauerbeschallung, sei es durch Fluglärm oder Lärm allgemein, zu mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen führt. Alleine im letzten halben Jahr, so der Kardiologe Professor Dr. Thomas Münzel, Leiter der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, wurden drei Studien veröffentlicht, die dies belegen. Vor wenigen Tagen erst konnten wir dies in der Regionalpresse lesen.

Liebe Verkehrsminister, verehrtes Amt für Straßen- und Verkehrswesen: Alles andere als durchgängiger und bestmöglicher aktiver Lärmschutz im Bereich Mainz-Mombach bis Schiersteiner Kreuz ist schlicht eine Frechheit. Es ist vorsätzliche Körperverletzung und die ist strafbewehrt. Sind sie sich wirklich sicher, dieses Risiko und evtl. Amtshaftung eingehen zu wollen? Warum wurden eigentlich die Entwürfe der Schiersteiener Brücke, so heute noch im Internet zu sehen, immer mit durchgängiger und hübscher, gläserner Lärmschutzwand eingezeichnet?

Ein Versehen der Architekten, oder Vorspiegelung von Tatsachen, um weniger Bürgerprotest zu erzeugen? Gleichwohl, die von uns vertretenen Einwendungen von über 180 Familien, darunter mehr als 120 Hauseigentümer, bleiben bestehen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu politisch werden und schildere hier neben den Erfahrungen unserer Initiative auch meine persönliche Meinung, aber wer aufmerksam das Weltgeschehen verfolgt und Egoismus und Scheuklappen ablegt, sollte sich auch ganz andere Fragen stellen. Z. B. ob wir mit massivem Straßenausbau, Verbrennungsmotoren und einseitiger Förderung des Individualverkehrs bei sträflicher Vernachlässigung eines attraktiven öffentlichen Personennahverkehrs und Radwegenetzes nicht blindlings in eine Sackgasse laufen. Angesichts der Entwicklung in dem Gebiet, in dem wir stehen und das täglich Staus und dadurch eigentlich völlig unnötige Emissionen produziert, mutet das Gerede über eine Umweltzone wie Heuchelei an.

In diesem Moment wird bundesweit in 21 Großstädten zu Recht gegen die Kernkraft demonstriert. Auch sie hat sich, eigentlich schon seit Tschernobyl, aber spätestens seit Fukushima, als unkontrollierbare Sackgasse erwiesen, deren eigentliche Folgekosten niemals eingepreist waren und kein einziges Menschenleben wert sind. Diese Anti-Atom-Demo hat uns einige Teilnehmer von mit uns derweil sympathisierenden Umwelt- und Naturschutzverbänden gekostet; unser Demotermin stand zwar schon länger fest, leider haben die Atomkraftgegner auf die weltumspannende Organisation “Biebricher gegen Verkehr XXL” bislang noch keine Rücksicht genommen. ;-)

Die “Biebricher gegen Verkehr XXL” sind aus der Not der Anlieger geboren, deren Wohngebiete, Nachkriegssiedlungen aus den 20er bis 50er Jahren, wir gerade umrundet haben. Es sind nicht wenige, rund 330 Familien, etwa 1.000 Bürger rechts und links der Äppelallee sind unmittelbar von der chaotischen Entwicklung der letzten Jahre betroffen. Weiterhin, nicht ganz so heftig, auch das Parkfeld, sicher weitere rund 3.000 Einwohner, dazu die Rheingaustraße, Biebrich und Schierstein seit jeher verbindend. Auch wenn manche Villenbesitzer aus dem unteren Bereich von der einzig bislang geplanten 500 Meter Lärmschutzwand an der A643 profitieren.

Einige altgediente Stadtpolitiker, zum Beispiel Ex-Ob Hildebrand Diehl, wohnen dort. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Zudem wenn man weiß, dass für diesen Bereich testweise seit einem halben Jahr ein nächtliches LKW-Fahrverbot gilt, was Anlieger der Rheingaustraße anscheinend gerichtlich erreicht haben und welches voll zu Lasten der Äppelallee und Hagenauer Straße geht. Wir werden diese einseitige Bevorzugung im Übrigen nicht länger hinnehmen. Entweder werden alle Wohngebiete nachhaltig entlastet, oder keine. Weiter gehts in der oberen Rheingaustraße in Schierstein. Auch dort haben sich attraktive Märkte angesiedelt, und die Pendler verdichten sich mit dem Kundenverkehr immer häufiger zu einer schwer zu entflechtenden Blechmasse.

In den Rheingau hinein sind 2 Einbahnstraßen durch den Schiersteiner Ortskern höchst frequentiert, und auch dort wird der Schwerlastverkehr immer schlimmer. Und wissen Sie, woran dies neben fehlendem Verkehrskonzept, Ausweglosigkeit mancher und Egoismus einiger unter anderem liegt? An der LKW-Maut auf Autobahnen.

Speditionen haben heute eigene Routenplaner, die auch Mautgebühren optimieren. Von der A66 gehts dann gerne mal auch ohne Not an der Ausfahrt Biebrich ab, über die Biebricher Allee und den Herzogsplatz auf die Äppelallee und mit 40 Tonnen donnernd wieder auf die A643 Richtung Mainz oder Wiesbaden oder eben noch weiter über Orts- und Landstraßen, um für einige Kilometer ein paar Euro Mautgebühr zu sparen. Ich nenne das eine absurde, eine perverse Entwicklung.

Gestern wurde die designierte Stadtentwicklungsdezernentin, Sigrid Möricke, vom SPD-Parteitag nominiert. Sie lebt unseres Wissens nach sogar in Schierstein. Ihre Rede, die heute im Wiesbadener Tagblatt zu lesen ist, lässt hoffen. Ich möchte daher kurz daraus zitieren:

„Viele Projekte in Wiesbaden scheinen festgefahren. Widerstand von Anwohnern, Initiativen und Interessengruppen findet sich dort zuhauf.“ Das müsse ihrer Meinung nach nicht sein. Drum versprach sie für den Fall ihrer Wahl: „Planungsprozesse sollen nicht nur für die Bürger, sondern zu allererst mit ihnen gestaltet werden. Ich will, dass die ambitionierten Projekte, die im Koalitionsvertrag aufgeführt sind, auch umgesetzt werden – und zwar gemeinsam mit den Menschen, nicht gegen sie. Und ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können. Und wenn dazu noch eine Plattform, oder ein weiterer Runder Tisch oder eine zusätzliche Bürgerversammlung nötig ist – dann machen wir das auch.“ Ihr erster politischer Schwerpunkt sei kein konkretes Projekt, sondern ein neuer Weg: „Mehr Beteiligung, mehr Zuhören, mehr Konsens. Miteinander statt Gegeneinander.“

Das ist Musik in unseren Ohren!

ENDE DES AUSZUGS. Die originäre Reihenfolge und wörtliche Widergabe kann leicht abweichen und wurde verteilt auf die beiden Kundgebungsplätze an Hagenauer Straße und Äppelallee