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Generalverkehrsplan Anti-Möbelzentrum-Initiativen fordern Stadt zu einem Kurswechsel auf

Im Rahmen eines Interviews des für die Kasteler Seite zuständigen Journalisten von der Allgemeinen Zeitung, Herrn Wolfgang Wenzel, konnten Sprecher der Kasteler und Biebricher Initiativen ihre Sicht der Verkehrsproblematik, sowie Lösungsansätze darlegen.

Jahrzehntelang herumgedoktert

06.01.2011 – KASTEL

Von Wolfgang Wenzel

GENERALVERKEHRSPLAN Anti-Möbelzentrum-Initiativen fordern Stadt zu einem Kurswechsel auf

Angemahnt haben die Anti-Möbelzentrum-Initiativen einen Kurswechsel in der kommunalen Verkehrspolitik. Breite Straßen, leistungsfähige Kreuzungen, das sei seit Jahrzehnten das Credo im Rathaus. Nach dieser Methode sei die Stadt mit ihrem Latein am Ende angelangt, sagten Ronny Maritzen von der Aktionsgemeinschaft Petersweg und Mario Bohrmann von der Initiative Biebricher gegen Verkehr XXL.

Überfällig seien ein Ausbau des Bus- und Bahnnetzes, preisgünstige Ein-Euro-Tickets und ein Ring aus Stadtautobahnen. Damit ließen sich die Probleme mit zu viel Autoverkehr sowohl im Kasteler Gewerbegebiet Petersweg als auch in Biebrich an der Äppelallee lösen. Beide Standorte litten unter der gleichen Krankheit: dass sich die Stadt interessenbezogen vom Wirtschaftsdezernat leiten lasse und nur an Symptomen herumdoktere, ohne den Ursachen auf den Grund zu gehen. Sie habe jahrzehntelang getrödelt und versäumt, verkehrspolitisch gegenzusteuern.

Ein Generalverkehrsplan müsse her, ein Masterplan über die Gestaltung der Verkehrsbeziehungen der Zukunft. Stichwort Stadtautobahn: Würde die Stadt die Hoheit über Teilstücke der Autobahnen A 671, A 66 und A 643 erlangen, dann könnte sie an Brennpunkten wie am Petersweg oder in Biebrich zusätzliche Auf- und Abfahrten einrichten. Dann entfiele das vom Land angeführte Gegenargument, dass an Bundesautobahnen Mindestabstände zwischen den Anschlusstellen wie an der Boelckestraße in Kastel einzuhalten seien. Der Vorschlag sei nicht neu, sondern zur Auflage in der Genehmigung des Gewerbegebiets Petersweg gemacht worden. Die Biebricher Bürgerinitiative habe die Forderung im Planfeststellungsverfahren für den Neubau der Schiersteiner Autobahnbrücke erneuert. Die Möglichkeit von Tempolimits und weniger Emissionen würden die Anwohner entlasten. Doch an der Stadtpolitik pralle der Vorschlag zur Übernahme der Straßenbaulast ab. Gleichzeitig ebne sie an der Äppelallee in Biebrich, wo 50 Groß- und Fachmärkte versammelt seien, dem Ausbau zu einer „riesigen Shopping-Mall“ den Weg, obwohl keine Lösung der Verkehrsprobleme erkennbar sei. Die Anti-Möbelzentrum-Initiativen forderten daher einen stadtweiten Stopp der Planungen von Gewerbegebieten, damit durch den Bau von größeren und breiteren Straßen nichts „verschlimmbessert“ und noch mehr Verkehr angezogen werde. Sowie die Einrichtung eines Runden Tischs, an dem unter Beteiligung der Bürger die Städte Wiesbaden und Mainz ebenso wie das Land Hessen, Rhein-Main-Verkehrsverbund, Bahn und die private Wirtschaft sitzen müssten. Die künftige Schiersteiner Autobahnbrücke müsse mit einer Straßenbahntrasse versehen werden. Kaum fünf Minuten Fahrzeit trennten die Rheinallee in Mainz und die Äppelallee in Biebrich. Auch in Richtung Kastel lägen die Gleise für Bahnverbindungen zwischen den Gewerbegebieten ungenutzt herum. Konsumenten werde man in der Regel kaum zum Umsteigen auf die Bahn bewegen, sie brauchten klassische Parkplatzlösungen. Für Pendler wären Bahnverbindungen jedoch ein Segen. Der in Kastel geforderte Ausbau der Boelckestraße auf vier Spuren sei kein Allheilmittel. Als Einzelprojekt würde er er die Verkehrslage nur verschärfen. Bei einer Vernetzung des Straßenprojekts mit anderen Verkehren könne man auch über die Ansiedlungspolitik im Gewerbegebiet Petersweg nachdenken. Dann wären die Bedingungen vielleicht sogar schon erfüllt, sagten die Initiativsprecher im Hinblick auf die Pläne von Mann-Mobilia, in Kastel Fuß zu fassen.

Weitere Artikel zur Demo mit durchweg positivem Echo

Einerseits wurden im gestrigen Bericht von uns bereits einige Artikel, insbesondere der Wiesbadener Lokalzeitungen nachgetragen, andererseits kamen noch etliche hinzu, die wir hier nur anreißen und im Titel mit der Quelle verlinken können. Auch unsere Artikelsammlung unter “Presseschau XXL” wurde heute aktualisiert.

So berichtete die Frankfurter Rundschau gleich mit 2 Artikeln, auch die Mainzer Rhein-Zeitung begleitete unseren Demonstrationszug und hörte gut zu und setzte dies um. Ergänzend berichtete die Allgemeine Zeitung Mainz zu den mit uns solidarisierten Kasteler Initaitiven.

Frankfurter Rundschau:

„Die Menschen wurden vergessen“

Das Ehepaar Frohn lebt zwischen den Biebricher Großmärkten – und leidet unter dem Verkehr. FR-Mitarbeiterin Stefanie Helsper hat sie besucht.

Wenn das Ehepaar Frohn samstagsmorgens aus dem Wohnzimmerfenster schaut, sehen die beiden einen Stau: Autos, die zum Baumarkt wollen oder zu Mann Mobilia XXL oder zu Pflanzen Kölle oder oder… Autos, die aufs Abbiegen warten oder an der roten Ampel. „Mehr stopp als go“, kommentiert Thomas Frohn.

Wenn das Ehepaar Frohn samstags selbst irgendwohin fahren will, „dann lassen wir’s oder warten, bis das Chaos vorbei ist“, erzählt Anke Frohn (47). Vorher kommen sie nur schlecht aus der Straße raus – „Linksabbiegen kann man vergessen“ – und stehen dann selbst ewig im Stau. Das gleiche, wenn sie zu den Stoßzeiten von der Arbeit kommen.(…)

“Die Wutbürger von Wiesbaden”

250 Menschen protestieren gegen den Verkehr im Biebricher Gewerbegebiet. Ihr Hauptziel: Den Ausbau des Mann-Mobilia-Marktes in der Äppelallee verhindern.

Da ist nun „Wutbürger“ das Wort des Jahres. Auch in Biebrich haben sich die Bürger in den vergangenen Wochen geregt. Wütend sind auch sie auf die Politik der Stadt. Wütend über den Verkehr auf der Äppelallee und der Hagenauer Straße, der sie in ihren kleinen Siedlungen inmitten des Gewerbegebiets manchmal einkeilt. Am Samstag sind sie nun auf die Straße gegangen.

Rund 250 Menschen haben sich am Siedlerheim der Siedlungen Im Rosenfeld und Selbsthilfe bei eisigen Temperaturen eingefunden zum Marsch durch das Gewerbegebiet. Erst vor zwei Monaten hatte sich die Bürgerinitiative „Biebricher gegen Verkehr XXL“ gegründet.

Mario Bohrmann, Sprecher der Initiative, führt die Demo an. „Wer hat eine schöne Stimme und möchte ein paar Slogans skandieren“, fragt er lachend rum. Die Stimmung ist gut. Aber das Thema ernst. Die lärm- und staugeplagten Menschen fürchten die Expansionspläne des Möbelriesen Mann Mobilia XXXL. Das Verkehrschaos rund um ihre Siedlung werde dann noch schlimmer.(…)

Mainzer Rhein-Zeitung:

Vielen Biebrichern und Kastelern stinkt die hohe Verkehrsbelastung

Biebrich/Kastel - Samstagmittag in der Biebricher Äppelallee: Viele Autofahrer sind auf dem Weg in die umliegenden Bau- und Möbelmärkte, es geht fast nur im Stop-and-Go-Tempo weiter. Einige hupen, schneller kommen sie dadurch aber auch nicht vorwärts. Aus der Nebenstraße Zaberner Straße strömen plötzlich rund 200 von der Polizei begleitete Demonstranten auf die Äppelallee. Sie sind dem Aufruf der Bürgerinitiative “Biebricher gegen Verkehr XXL” gefolgt und protestieren gegen weitere Marktansiedlungen und den Ausbau bestehender Gewerbeflächen wie etwa von Mann-Mobilia (die MRZ berichtete). Sie rufen: “Lärm, Dreck, Stau, für uns täglich der Gau!” Viele ältere Anwohner sind unter den Demonstranten. Sie tragen Plakate mit Texten wie “Hier leben Menschen – Erst denken, dann planen!”, “Ein Leben ohne Verkehr – lange ist’s her!” oder “Wenn die Stadt nichts geregelt bekommt, sind wir die Ordner!” Ein weißes Wohnmobil und ein Trabi-Cabrio fahren mit. Alles geht geordnet über die Bühne, die großen Verkehrsachsen werden schnell überquert, um die Autofahrer nicht zu provozieren. Diese zeigen sich überwiegend verständnisvoll und nehmen Flugblätter entgegen.(…)

Allgemeine Zeitung Mainz:

Auch Kasteler „Wutbürger“ protestieren mit

20.12.2010 – BIEBRICH/KASTEL

(nfl). Am Treffpunkt Paulusplatz auf dem Weg zur Demo versammelten sich 14 Teilnehmer. Frank Porten von der Aktionsgemeinschaft Petersweg (AGP) bekundete bereits auf dem Paulusplatz seinen Unmut. Das von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden ausgewählte Wort des Jahres mache auch in Kastel die Runde: „Wir sind Wutbürger“ , so das Credo Portens, der mit der Teilnahme an der Aktion die „Verantwortlichen der Stadt“ in die Pflicht nehmen will: „So kann es nicht weitergehen, wenn ständig die Lebensqualität abnimmt.“ Er meinte die Lebensqualität der Bürger in beiden Stadtteilen, denn sowohl die Biebricher als auch die Kasteler spürten bereits die hohe Verkehrsbelastung. „Wir haben das Gefühl, dass wir gegeneinander ausgespielt werden sollen“, so Porten.(…)

Offener Brief an die Stadt Wiesbaden – Zukunftsvisionen ÖPNV

Einen auch durch Prof. Pös angeregten kurzfristigen Ortstermin am kommenden Dienstag nehmen Verkehrsinitiative und Siedlergemeinschaft zum Anlass, sich bei Stadtentwicklungsdezernat und Ortsbeirat für die parteiübergreifende Zustimmung zu schnellen Maßnahmen zu bedanken. Leider waren die Verkehrsprobleme jedoch lange voraussehbar. Die angebotene Hilfe kommt daher spät, aber sie wird gerne angenommen.

Sehr geehrte Damen und Herren, an die Ortsbeiräte aller Fraktionen,

wir sind Ihnen sehr dankbar für die Geschlossenheit, die Sie als Ortsbeirat von Biebrich und Stadtentwicklungsdezernent zuletzt gezeigt haben, um weiteres Ungemach vom Biebricher Westen und Schierstein fernzuhalten. Gleiches gilt für die natürlich für Kastel kämpfenden Gemeindevertreter. Doch abseits vom derzeitigen Vermarktungsproblem um den Petersweg und den Diskussionen zum Möbelgigant XXXL da und/oder dort. Machen wir uns in Bezug auf Biebrich doch nichts vor. Es ist eigentlich alles viel zu spät.

Dass bereits jetzt angesiedelte Gewerbe um das Vieleck Rheingaustraße, Äppelalle, Friedrich-Bergius- und Hagenauer Straße ist auch für die Mainzer viel zu attraktiv, als das sich am Verkehrsaufkommen jemals wieder etwas reduzieren ließe. Bestenfalls hält man es auf, aber uns kommen auch große Zweifel angesichts der angedachten massiven Massnahmen rund um Herzogsplatz und Äppelallee wie auch des Schiersteiner Kreuzes.

Was uns fehlt, auch abseits allen “Siedlerinteresses” und als mittlerweile auch mit den Bürgerinitiativen aus Kastel verbrüderte Aktionsgemeinschaft, ist eine Vision für den öffentlichen Personennahverkehr.
Angesichts des Neubaus der A643 und des Abrisses der alten Brücke ist hier noch viel Raum für Vorschläge, die wir als Initiative, noch vor Ende der Auslegungsfrist, ergänzend einreichen werden. Verkehr muss nicht nur fließen, auf ihn muss auch Einfluss genommen werden!

Wir wissen, dass Vorgehen eines solchen, recht kurzfristig vereinbarten Treffens zur Ortsbesichtigung (wie folgt) ist auch von Seiten der Stadtentwicklungsdezernates und Tiefbauamts äußerst ungewöhnlich und unbürokratisch. Es kam auf Grundlage eines Vorgesprächs im Dezernat mit Vertretern der Verkehrsinitiative und des Siedlervereines zustande. Fast zeitgleich formulierte dankenswerterweise der Biebricher Ortsbeirat geschlossen einen entsprechenden Antrag, den wir so gemeinsam bereits in wenigen Tagen in die Tat umsetzen können. Schneller geht es nicht, dafür sind wir allen Adressaten, die daran mitgewirkt haben, äußerst dankbar.

Daher bitten wir die Empfänger dieser Email an dieser Stelle auch, diese Informationen nicht für politische Spielereien zu verwenden, zumal Herr Prof. Pös persönlich an diesem Termin teilnehmen will und hier bereits aufrichtiges Interesse und große Hilfsbereitschaft gezeigt hat. Aus Sicht der Anwohner, vor allem vertreten durch Frau Birgit Großer als Vorstand der “Siedlergemeinschaft Rosenfeld und Selbsthilfe e.V.”, geht es bei diesem Ortstermin letztlich auch um freiwillige Einschränkungen, um den ungewollten aber auch unvermeidbaren Verkehrsdurchfluss zu vermindern.

Die Anwohner rechts und links der Äppelallee freuen sich insoweit jenseits allen Parteikalküls und anstehender Wahlkämpfe, auf den angekündigten Versuch, einer Art verkehrstechnischen “1. Hilfe”, für die oft missbrauchten Durchfahrtstraßen. Es ist gut, dass endlich ein Bewusstsein für das grundsätzliche Verkehrsproblem zu wachsen scheint. Aber keines der bislang gezeigten Verkehrskonzepte ist überzeugend.

Für das Große und Ganze, weitsichtig, großräumig und attraktiv gedachte ÖPNV-Alternativen, brauchen wir nicht nur den Biebricher Ortsbeirat, sondern auch die benachbarten in Schierstein und auch AKK und schließlich den ganzen Magistrat. Wir bitten sie alle einmal diesen grundsätzlichen Gedanken
innerhalb Ihrer Fraktionen zu verbreiten und neugierig zu machen, auf das langfristige und “länderübergreifende” Konzept der Verkehrsinitiative, welches auch Mainz und Wiesbaden wieder näher zueinander bringt. Doch hierzu frühestens Mitte Dezember mehr auf unserer Webseite.

Beigefügt finden Sie unseren im Groben mit dem Stadtentwicklungsdezernat vereinbarten “Fahrplan” für kommenden Dienstag, den wir Ihnen aus Gründen der Fairness, aber auch der unmittelbaren Verantwortung im Umgang damit, vorab zuleiten wollen. Dies ist daher nicht als persönliche Einladung an alle Ortsbeiräte zu verstehen, aber wer persönliches Interesse an diesem Thema hat, ist natürlich parteiübergreifend willkommen. Keinesfalls allerdings möchten wir an diesem Tag irgendwelche politischen Verlautbarungen produzieren oder provozieren lassen. Dies wird daher auch im Anschluss keine Versammlung mit individuellem Rederecht, sondern des ausschließlichen Austausches der Anwohner mit den Entscheidungsträgern.

Wir wollen bei dieser Besichtigung einfach nur realistisch sein und möglichst pragmatische und kurzfristige Lösungen mit den Bürgern vor Ort erarbeiten. Die langfristigen möchten wir gerne mit Ihnen allen gestalten. Mit den Bürgern und deren Initiativen, und mit deren Repräsentanten in Ortsbeirat, Magistrat und Landtag.

Stadtplanung geht über Generationen. Fangen Sie bitte an, auf eine zu hören!

Herzliche Grüße aus Biebrich

Biebricher gegen Verkehr XXL                Siedlergemeinschaft Rosenfeld und Selbsthilfe e.V.