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Die Neubaupläne Mann Mobilia und schwammige Rechtfertigungen – Eine Replik

Zu unserer Vorabmeldung am Tag der Ortsbeiratssitzung wollen wir zum einen die darauf folgenden Presseberichte nachtragen, zum anderen die aus unserer Sicht völlig schwammige und unzureichende Rechtfertigung für diesen Supergau städtebaulicher Unvernunft durch XXXLutz, Stadtentwicklungsdezernat und Bauaufsicht erläutern.

Die Stimmung bei der Präsentation der Baupläne vor den Ortsbeiräten von Biebrich und Schierstein trifft alleine schon mit dem Titel besonders gut die Frankfurter Rundschau:

Spott für die XXXL-Pläne

Wiesbadener Kurier bzw. Wiesbadener Tagblatt waren sogar mit Kamera vor Ort und zeichneten Stimmungen bei der Kundgebung vor der Ortsbeiratssitzung auf.

Rosenfeld-Siedler wollen gegen XXXL-Erweiterung vor Gericht ziehen

Video dazu hier

Schließlich, wie in unserer Vorabmeldung bereits geschildert, stimmten alle Ortsbeiräte von Biebrich und Schierstein nahezu einstimmig GEGEN die Vorlage und Erweiterungspläne. Es gab lediglich eine Enthaltung innerhalb der jeweils getrennt abstimmenden Ortsbeiräte.

Ortsbeiräte von Biebrich und Schierstein stimmen gegen Ausbau von XXXL-Möbelmarkt

Was in allen Artikeln kaum herauskommt, ist die Diskussion im gut gefüllten Bürgersaal der Galatea-Anlage vor mehr als 200 interessierten Bürgern, Ortsbeiräten und Stadtverordneten. Im Podium waren neben Anderen der Expansionsleiter der XXXLutz Immobilien GmbH, Herr Ropert Röpert, sowie der beauftragte Architekt vertreten. Zudem Stadtentwicklungsdezernentin Sigrid Möricke und der Leiter der Bauaufsicht, Alexander von Jagow.

Verkehrsführung und Kreisel

Verkehrsführung und Kreisel

Nachdem die Ortsbeiräte ihre Fragen zum Projekt gestellt hatten, konnten wir durch freundliche Genehmigung der Ortbeiratsvorsitzenden den Vertretern von Stadt und Mann Mobilia selbst auf den Zahn fühlen.

Zunächst stellten wir fest, das der Verkehrsplaner des Gutachterbüros nicht anwesend war. Somit war die vor Ort erhältliche Expertise stark eingeschränkt, wenngleich man für die geschilderten persönlichen Gründe Verständnis haben musste. Mario Bohrmann trat auf dem Podium vor die Projektion obiger Skizze und machte die Schwachpunkte deutlich. Ein Kreisel, der rein die Zufahrt innerhalb des Geländes von XXXL/Äppelallee-Center mitten in der Friedrich Bergius Straße “geschmeidiger” regeln soll, ändert nichts an den schon lange gegebenen Überlastungen der eigentlichen Knotenpunkte zur Äppelallee und Hagenauer Straße.

Schon heute, ohne die um geschätzt 66% erhöhten Kundenverkehre nach dem Ausbau zu berücksichtigen, staut sich der Verkehr häufig bis in den Bereich des geplanten Kreisels zurück. Es wurde von unserer Seite prophezeit, dass dies der wohl erste Kreisel in Deutschland sein wird, der regelmäßig im Stau erstickt.

Zudem wird angezweifelt, dass die geforderten Parkplätze auch nur annähernd ausreichen. Auch gegenwärtig ist dies an Wochenenden selten der Fall. Hier wird man also sehr viel kreiseln können. Bis man entnervt aufgibt und in den Wohngebieten parkt, oder ein anderes Einkaufszentrum anfährt.

Skizze Bestand- und Neubau XXXL

Skizze Bestand- und Neubau XXXL

Von unserer Seite wurde außerdem festgestellt, dass das Versprechen, Teile des Markts und Erweiterungsbaus nicht unterzuvermieten (7.000 qm des Neubaus rechts waren dafür bereits mit den ersten vorgelegten Planungen Anfang 2011 vorgesehen), faktisch unterlaufen wird.

Der “Sparkauf” soll der Mitnahmemarkt Mann Mobilias werden. Hier wird vermutlich der Löwenanteil des “zentrenrelevanten Sortiments” untergebracht. Unter Sparkauf findet man auch eine Marke von Möbel Inhofer. XXXLutz bestätigte, das auch sie diesen ungeschützten Titel für eine eigene Verkaufsgesellschaft nutzen. Und genau dies ist ein weiterer Kritikpunkt. Hier wird mit einem Billiglabel zusätzliche Kundschaft angezogen, die sich darunter alles oder nichts vorstellen kann. Mann Mobilia und Sparkauf sollen auch mit getrennten Prospekten beworben werden. Genau dies versprach bereits Ende 2011 die Stadt Wiesbaden zu verhindern. Sie lässt jedoch gewähren wie es dem Bauherrn gefällt.

Initiativensprecher Mario Bohrmann hatte sich zudem vorher auch sehr gut über den gerade entstehenden Neubau des XXXL-Mitbewerbers Möbel Martin in Mainz-Hechtsheim informiert und nun die vergleichsweisen Dimensionen erfragt. Wir wussten mehr, als Herr Röpert zu erkennen geben wollte. Bereits angesichts der Größe des geplanten Restaurants von Mann Mobilia konnte man staunen. 330 Sitzplätze laden dort zu noch längerem Verweilen ein (1/4 der geplanten Stellplätze werden also deutlich länger in Anspruch genommen). Möbel Martin in Mainz mit rund 45.000 Quadratmetern Verkaufsfläche (auf wirklich “Grüner Wiese”) sogar diesbezüglich ein wenig größer, kommt mit 300 Sitzplätzen in seinem Marktrestaurant aus. Nimmt man die Lagerfläche hinzu, übertrifft Mann Mobilia mit insgesamt 71.000 Quadratmetern den bereits dieses Jahr eröffnenden Mittbewerber jedoch um mehr als 6.000.

Die Bebauungsgrenze der Höhe nach liegt an der Äppelallee bei 17 Metern. Mit einer Befreiung der Bauaufsicht für eine große Glaskuppel soll der Neubau von Mann Mobilia an dieser Stelle insgesamt 21,35 Meter hoch werden. Möbel Martins Obergschosse enden bei 21 Metern.

Man möchte augenscheinlich unbedingt überall ein wenig “XXXLer” sein jenseits des Rheins. Außer eben in der Verkaufsfläche selbst, soll alles immer ein bisschen größer werden als beim Mitbewerber. Und die Stadt rechtfertigt auch alle Befreiungen leichterdings.

Schließlich ging es noch um die Stellplätze und die offensichtlich trickreich ausgehebelte eigentlich geltende Stellplatzsatzung. In einem ellenlangen und leider unnötig amtsdeutsch gehaltenen Vortrag versuchte Bauamtsleiter von Jagow zu rechtfertigen, dass man im Vergleich mit den großen Möbelhäusern in ganz Deutschland noch recht hart ins Gericht ging mit den Anforderngen an den Bauherrn. Mit 1-geschossiger Tiefgarage seien die rund 1.200 Stellplätze mehr als gefordert.

Das mag ja sein, nur sind sie noch lange nicht genug, da man ein solches Gebiet einer innerstädtischen Shopping-Mall mit keinem anderen Möbelmarkt vergleichen kann. Vergangenes Jahr war in Presseberichten noch von rund 3.000 nötigen Stellplätzen die Rede. Wir werden dies an anderer Stelle näher dokumentieren.

Schließlich bleibt festzuhalten: Die Stadt Wiesbaden lässt den Bauherrn ein leicht belegbar geschöntes Verkehrsgutachten erstellen (die Stadt hat es offensichtlich nicht einmal geprüft), den Kreisel auf dessen eigene Kosten auf teilweise eigenen Grundstücken erstellen, um ihn dann sozusagen für den “symbolischen Euro” abzukaufen. 

Die uns anonym zugespielte Magistratsvorlage, über die demnächst die Stadtverordneten abstimmen sollen, hält ausdrücklich fest: Alternativen wurden nicht geprüft!

Genauso verlief die Stadtplanung und -Entwicklung in den letzten Jahrzehnten an vielen Stellen in Wiesbaden, insbesondere in den Gewerbegebieten Biebrich/Schierstein.

Politisch gewollt werden alle Augen zugedrückt und sehenden Auges läuft man in die Katastrophe. Doch bis es soweit ist, sind die verantwortlichen Beamten ausgestauscht oder im Ruhestand. Keiner von den Beteiligten der vergangenen Jahrzehnte lebte in oder kam aus Biebrich oder Schierstein. Persönliche Haftung mussten sie ohnehin nie fürchten. Nur die Anwohner und ebenfalls betroffene Gewerbetreibende, Kunden und Pendler nimmt man in Sippenhaft, ohne jegliches eigenes Verschulden.

Diese Zeiten sind jedoch definitiv vorbei!

Alle gezeigten Grafiken entstammen der Präsentation vor Ort und wurden nachträglich von Herrn Groth von PluspunktSchierstein ergänzt und freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Pressemitteilung vom 27. Oktober 2011 – Initiative „Biebricher gegen Verkehr XXL” organisiert mit Anwohnern ein Straßenfest an Allerheiligen

Ergänzend zu nachstehender Einladung sei auch auf eine Pressemitteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden verwiesen, in der das letztjährige Chaos an Allerheiligen bereits durch Herrn Wolfgang Gores thematisiert und von uns zugleich auch bebildert dokumentiert wurde

Pressemitteilung vom 27. Oktober 2011

Initiative „Biebricher gegen Verkehr XXL” organisiert mit Anwohnern ein Straßenfest an Allerheiligen – sie kommen ohnehin nicht von ihren Grundstücken

Mit der Eröffnung des Äppelallee-Centers im vergangenen Oktober gab es kurz darauf an Allerheiligen 2010 den ersten Vorgeschmack auf die weitere desaströse Verkehrsentwicklung im gesamten Gebiet um Schierstein und Biebrich.

Gewerbetreibende an der Hagenauer Straße konnten keine Termine halten, Besucher kamen nicht auf die Grundstücke und den Anwohnern der Siedlung im Rosenfeld, eingekesselt zwischen Äppelallee und Hagenauer Straße, erging es noch bedeutend schlechter.

Sie hatten im Minutentakt mit Stauumfahrern (nicht nur aus Rheinland-Pfalz) zu kämpfen, die die kaum 4 Meter breiten reinen Anliegerstraßen widerrechtlich nutzten, um von einem in den nächsten Stau abzukürzen. Dies zog sich vom späten Vormittag ohne Unterlass bis in den frühen Abend hin.

Kurz vor Kreuzung Friedrich-Bergius-Stasse

Kurz vor Kreuzung Friedrich-Bergius-Stasse

Verkehrliche Extremsituationen an Allerheiligen kannte man bislang nur aus der Innenstadt. Jedoch sind sie für uns nur ein Vorgeschmack auf das, was bald täglich und vor allem an Samstagen droht, sollte XXXL-Mann Mobilia tatsächlich ausbauen. Keine Verkehrsmaßnahme kann das erwartete zusätzliche Aufkommen noch schultern; zugesagte Hilfen der Stadt verpuffen an zunehmender Rücksichtslosigkeit der Verkehrsteilnehmer und mangelnden Kontrollen seitens des Ordnungsamtes.

Anwohner nutzen nun die sonst vertane Zeit auf Staus in den Straßen an diesem Tage und haben ein Straßenfest angemeldet, welches leider nur in Teilen der Siedlung genehmigt wurde. Viele haben sich extra Urlaub genommen, um an diesem Tag gemeinsam in der Malmedyer- und Teilen der Eupener Straße verkehrsberuhigende Spielstraßenschilder zu fertigen und mit den Kindern der Siedlungen, wie früher, vor den Häusern zu spielen und zu malen.

Bei Kaffee und Kuchen (der Erlös geht an die Initiative) wird ab 12.00 Uhr Eigeninitiative entwickelt. Aber auch die anderen, nicht gesperrten Straßen der Siedlung, werden in Eigenregie auf berechtigte Zufahrt kontrolliert.

Wie bereits im vergangenen Jahr durch Herrn Stadtrat Wolfgang Gores angeregt, laden wir alle Stadtpolitiker dazu ein, sich ein eigenes Bild davon zu machen, was wir bereits erdulden müssen und was künftig kontinuierlich droht. Wir werden unsere Lebensqualität mit allen Mitteln verteidigen.

Zugweg und Ablauf der Demo – Adressat unseres Protestes

Wie bei unserer ersten Demo im vergangene Dezember, möchten wir auch dieses Jahr den Ablauf möglichst reibungslos gestalten. Die Polizei organisiert Verkehrsdurchsagen, wir haben die Großmärkte, soweit möglich, selbst vorab informiert.

Die “Biebricher gegen Verkehr XXL” und deren Proteste wenden sich weder gegen Pendler noch Kunden der Großmärkte in den Gewerbegebieten, noch die Handelsunternehmen selbst, aber wir teilen das Schicksal einer völlig ungelösten Problematik der Verkehrsentwicklung im Bereich Biebrich und Schierstein. Die mangelnde Bereitschaft der Verkehrsminister von Bund und Land, Lärmschutz bei der neuen Schiersteiner Brücke in adäquater Form überhaupt zu berücksichtigen, ist Hauptthema dieser Versammlung. Jedoch bleibt unser Adressat auch hier weiterhin der Magistrat der Stadt Wiesbaden, der keinerlei schlüssige Strukturplanung vorweisen kann.

Bei den ebenfalls anstehenden Mammutprojekten Umbau Schiersteiner Kreuz und nachfolgend Ausbau der A66 (geplant bis 2020) kann man alles falsch machen oder vieles richtig. Derzeit läuft es aus unserer Sicht auf Ersteres hinaus. Ein ganzheitliches Gesamtkonzept besteht nicht!

Die Anwohner rund um die Äppelallee sind sich darin einig, dass vor allem der Schwerlastverkehr, bei Tag und bei Nacht, nicht nur gefühlt alleine in den letzten Wochen um 100% zugenommen hat. Es ist bereits jetzt unerträglich geworden, die “Lärmsanierungsschwelle” wird auch laut aktuellen Messungen des Umweltamtes kontinuierlich gestreift und überschritten.

Wie soll dies erst in der aktiven Bauphase von Schiersteiner Brücke und Schiersteiner Kreuz werden? Wie soll dies werden, wenn Mann-Mobilia bereits dieses Jahr beginnt, sich XXXL auszubauen? Wir befürchten Schlimmstes, dafür gehen wir morgen wie folgt auf die Straße (Klick zum Zoom):

Route Demo 28. Mai 2011

Zugweg: Unsere Demo startet gegen 13.00 Uhr im Bereich der Wohngebiete an der Äppelallee (Zaberner Straße) und führt zunächst in Richtung Biebrich, um dann auf Höhe des BKA in die Hagenauer Straße einzubiegen.

Die Hagenauer Straße wird hierfür etwa zwischen 13.20 und 13.50 Uhr zwischen Äppelallee und Friedrich-Bergius-Straße beidseitig gesperrt werden.

Auf Höhe der Baumärkte erfolgt eine kurze Zwischenkundgebung, bevor wir die Friedrich-Bergius-Straße in Fahrtrichtung passieren, um uns sodann der Ausfahrt Äppelallee/A643 zu nähern. Gegen 14.15 Uhr beginnt dort auf dem Gelände der Stadt Wiesbaden gegenüber des Äppelallee-Centers, nach kurzer Pause und Vorbereitung der Beschallungstechnik, unsere Abschlusskundgebung.

Mit zeitweise gesperrten Straßenabschnitten und Rückstaus im Bereich Biebrich und Schierstein ist also vor allem in der Zeit zwischen 13.00 und 14.00 Uhr zu rechnen.

Die Schlusskundgebung, bei der grundsätzlich jeder Rederecht hat (auch die Verkehrsminister und das Amt für Straßen- und Verkehrswesen wurden eingeladen) wird voraussichtlich nicht länger als 30 Minuten dauern. Spätestens für 15.00 Uhr ist das Ende der Demonstration vorgesehen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme. Auch wenn morgen durch bundesweite Demonstrationen gegen Kernkraft eine nicht unerhebliche Konkurrenz die ebenfalls eingeladenen Naturschutzverbände und deren Mitglieder vermutlich daran hindern wird, trotz geäußerter Sympathie für unser Anliegen, daran teilzunehmen.