Vorher – Nachher – Die Äppelallee im Wandel der Zeit und Fragen an den Magistrat

Nur alteingesessene Biebricher wissen noch, woher die Äppelallee ihren Namen hatte – Als sie noch ein besserer Feldweg war, entlang dessen tatsächlich Apfelbäume wuchsen. Der Straßenname “Äppelallee”, mit klar hessischem Einschlag, ist übrigens einmalig in ganz Deutschland und damit auch weltweit!

Die Wohngebiete dort entstanden zwischen Feldern auf dem Weg nach Schierstein, wie das folgende Luftbild zeigt. Dass Einzige auf diesem Bild was früher da war, ist der Biebricher Schlosspark, am oberen Bildrand zu erahnen. Die ersten Häuser wurden um 1919 von Kriegsheimkehrern erbaut. Allen ursprünglichen Häusern ist eines gemein: Sie entstanden in Selbst- und Nachbarschaftshilfe, einer Eigenschaft, die heute kaum noch bekannt ist, obgleich sie in der Zukunft mit Sicherheit wieder größeren Raum einnehmen wird und muss.

Äppelallee Luftbild 1929 (aus Privatbesitz)

Der Name “Siedlung Selbsthilfe”, südlich der Äppelallee, trägt nicht umsonst diesen Namen. Dieser Siedlungsteil ist auch deutlich größer wie der ältere, nördliche Siedlungsteil “Rosenfeld”. Bis weit in die 50er Jahre hinein wurden hier wechselseitig die Doppelhaushälften hochgezogen. Neben der Arbeit half man sich in der Freizeit, sobald ein Siedler wieder Material und Geld hatte. Damals waren die Grundstücke alle von Stadt und Land in Erbpacht (auf 99 Jahre) gepachtet, erst später wurden die häufig recht großen Grundstücke (meist 500-700 Quadratmeter) gekauft.

Ende der 60er Jahre wurde die Äppelallee geplant. Nur der Umstand, dass damals die Didier-Werke entlang der Bahnstrecke bestanden trug dazu bei, dass die Äppelallee nicht als Umgehungsstraße entlang der Bahnstrecke (seitlich der heutigen Hagenauer Straße) geplant wurde, sondern mitten durch diese beiden Siedlungen führte. Die Stadt Wiesbaden ging damals nicht gerade zimperlich mit den Anwohnern um. Ihnen wurde Enteignung angedroht, sollten sie ihre großen Vorgärten nicht abgeben, um die 4-spurige Äppelallee zum Autobahnanschluss (A643) zu bauen. Heute läuft die Enteignung viel subtiler…

Gleiche Perspektive - Äppelallee Satellitenaufnahme 2003 - Wohngebiete nun rot markiert - Quelle: Google Earth

Es gab damals im entstehenden Gewerbegebiet nur den Wertkauf (heute Äppelallee-Center) und den noch kleinen Mann-Mobilia (heute zu XXXLutz gehörend, der theoretisch die Verkaufsfläche vervierfachen könnte). Entlang der Hagenauer Straße gab es kleinere Produktions- und Industriebetriebe und ein wenig Verwaltung. Der Verkehr nahm zwar in den 70er bis 90er Jahren stetig zu, auch durch gestiegenenen Wohlstand und mehr Individualverkehr, aber dies war noch absolut erträglich.

Die Ausweisung weiterer Gewerbegebiete, Ende der 90er mit verharmlosenden Verkehrsgutachten gerechtfertigt (die allesamt völlig falsche Voraussagen machten) brachte erst die kaum noch umzukehrende Situation die wir heute haben. Durch Änderungen der Bebauungspläne wurden somit Verwaltungsgelände umgewandelt in “SO-Handel”. Die nebeneinanderliegenden Baumärkte OBI und Hornbach hatten nur dadurch die Möglichkeit, dort zu bauen wo sie heute stehen. Mit einer Sackgassenzufahrt, die kaum Raum für angemessenen Verkehrsabfluss lässt.

Hinzu kommt, dass augenscheinlich niemand im Magistrat damals berücksichtigte, dass für die bereits bestehenden Gebiete alte Baurechte bestanden. Optionen wie jene von Mann-Mobilia, die XXXLutz anscheinend die Möglichkeit einräumen, jederzeit von derzeit 23.000 auf bis zu 90.000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu erweitern. Noch dazu mit bis zu 100% “zentrumsrelevantem Sortiment”. Es muss also kein einziges Möbelstück verkauft werden, XXXLutz kann an dieser Stelle im Prinzip alles anbieten und damit den letzten eingesessenen qualifizierten Einzelhändlern im Biebricher und Schiersteiner Zentrum den Garaus machen.

Vergangene Woche wurde daher im Rahmen der Sitzung des Ausschusses für Bau, Planung und Verkehr folgende Frage offiziell an den Magistrat gerichtet:

Verbindliche Auskunft wird beantragt im Rahmen des unter Nr. 10-F-03-0047 gestellten Antrages (passend zu Punkt 4.) zu folgender Fragestellung:

Wurden bei der/den Bebauungsplanänderung/en und SO-Handel Gebietsausweitungen für die Baumärkte OBI/Hornbach (Friedrich-Bergius-Straße/Hagenauer Straße) längst bestehende Baurechte und deren jederzeit mögliche Ausnutzung (z.B. Mann-Mobilia/XXXLutz von 23.000 auf bis zu 90.000 qm Verkaufsfläche) berücksichtigt?

Wenn nein, warum nicht?
Wenn ja, warum wurde dennoch erweitert?

Diese Anfrage an den Magistrat ist bestätigt und läuft. Wir sind gespannt, ob diese und weitere, uns derzeit noch nicht bekannten Baurechte, bei der damaligen Erweiterung der Gewerbegebiete berücksichtigt wurden. Wir sind, auch aufgrund der Reaktionen der Stadtverordneten (Schmunzeln bis hin zu betretenem Schweigen) auf die von uns gestellten Fragen, davon überzeugt: Die Stadt hat ihre eigenen Alt-Genehmigungen nicht berücksichtigt. Man wollte Geld verdienen, über Grundstücksverkauf, Baugenehmigungen und spätere Gewerbeeinnahmen. Die Schäden, die dadurch verursacht werden, die sowohl den Anwohnern wie auch eingesessenen Gewerbebetrieben entstehen, wurden anscheinend billigend in Kauf genommen. Und dann wird heute von der Einführung einer Umweltzone in Mainz und Wiesbaden gesprochen, obgleich hier ökologisch völlig unverantwortlich gehandelt wurde und wird.

Wenn niemand aus dem Magistrat dafür Verantwortung übernimmt, werden wir notfalls auf dem Rechtswege die Verantwortlichkeiten klären!

Bis dahin werden wir mit weiteren Recherchen und Fragen und auch mit unserer DEMO am kommenden Samstag veranschaulichen, dass es so keinesfalls weitergeht.

3 Kommentare zu Vorher – Nachher – Die Äppelallee im Wandel der Zeit und Fragen an den Magistrat

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