Büttenrede einer lärmgeplagten Anwohnerin

Danke Anke, für diese hervorragende Büttenrede zum politischen Aschermittwoch! 

Video folgt, vorab Auszüge gereimter Meinung einer lärmgeplagten Anwohnerin. Die  Anlage enthält die vollständige Rede.

Die lärmgeplagte Anwohnerin

Als lärmgeplagte Anwohnerin tret ich vor Euch hin – Ihr seht, dass ich im Hemdche bin. Denn das hab ich immer an, wenn ich nachts nit schlafe kann.

Tät mich mein Opa Fritz so sehn – der täte sich im Grab rumdrehen!

Seid gegrüsst ihr liebe Leut, zum 1. Ma steh ich hier heut, um jetzt eine Red zu schwinge, die hoffentlich euch Freud’ werd bringe. Ich heiße Anke und ich bin, des Fliesenlegers Enkelin. Das war der Fliesenleger Henn, den mancheiner von Euch noch kennt. Der aus de Mallmédyerstraas, ganz hinne letztes Haus der Gass.

Ich hab mir lange überlescht, was Euch Siedler so bewescht. Mei Nachbarin hat dann gesaacht, mir sin doch alle lärmgeplaacht, erzähl doch wie ́s uns täglich geht, was doch ein jeder hier versteht.

Die Siedlung gibt ́s jetzt 90 Jahr, ich saach Euch was seitdem geschah. Drum fang ich jetzt – einfach ma an, wie ́s mit uns Siedler so begann.

Damals -  ́sss war der Dr. Naab – schwätzt der Stadt die Bauplätz ab. Un was mer garnit so gleich denkt, die Kärch hat Platz dezu geschenkt.

Schon weit vor 1930, warn unser Vorfahrn furchtbar fleißisch, sie schaffte bis die Knoche krachte, de Rücke un die Baa schlapp machte, schwer habbe se sich all gequält, so hat ́s mein Opa mir erzählt.

Mei Omma gab sich einen Ruck, versetzte den Familienschmuck, um noch weiter Geld zu sparn, für die Backstah ranzufahren.

De Ochsekarrn wurd selbst gezoche, mit 13 Mann – echt ungeloche über endlos weite Strecke, jaah die Männer warn schon Recke.

Sie schleppte, baute Jahr für Jahr – bis endlich alles fertisch war. Die Müh hat sich für all gelohnt, ruhisch hat mer damals hier gewohnt.

War ́s früher auch vielleicht ma laut,  dann höchstens weil die Katz miaut, de Waldi hell im Gadde bellt – oders an de Hoftür schellt.

Das Geschrei der Kinderschar, nahm mä abbenzu auch war. Dann hat die Omma laut gekrische, mir Kinner sind flugs fortgeschliche „Von 1-3 iss Mittaachszeit“ – das war es, was die Omma schreit.

Doch die Idylle hielt nicht lang, als der Straßenbau begann für die „Verkehrsgerechte Stadt“ – ein Narr der des verbroche hat.

Äppelallee – oh Äppelallee – dein Ausbau tut uns heut noch weh, vierspurig heut die Autos fahrn, wo damals noch die Gärtcher warn.

Auch die Hagenauer Straaß, die mehr Feldweg war als Gass wurde meterbreit geteert, damit das Auto besser fährt.

Un wo se jetzt die Straaße hatte, braucht mer garnit mehr lang watte, da war die erste Firma da – „Was daraus wurd - das seht ihr ja!“

Un müsst mein Opa Fritz das sehn – der täte sich im Grab rumdrehen!

Zoobus brennt – warm abgerisse, um die Aldi-Flagg zu hisse. Die Methooode warn fast kriminell, baue wollde se ganz schnell. Wo Vöschelscher un Häscher saase, säumt heut de Zoopalast die Strasse. Die Tierscher sin jetzt innedrin – zum kaufe, – is des nit wirklich schlimm??

Schrebers ́Garten platt planiert, um hemmungslos und ungeniert, Obi/Hornbach hochzuziehn, die Ruhe, die ist seither hin. Un mit allem ging einher – der nicht abreissende Verkehr.

Im Frühjahr wird der Verkehr zur Hölle, alles rast zu Pflanzen-Kölle. Braucht mä dann noch annern Sache, geht’s zu Obi Schnäppscher mache. Fehle Zieschel uffm Dach, nix wie los zum Hornebach.

Möbel gibt’s beim XXL, Mc Donalds backt die Burger schnell, Käs beim Lidl, Milch beim Aldi, Fressnapf für uns Dackel Waldi, Matratze, Küche, Drogerie, ganz Wissbaade rennt hier hinne hie.

Un müsst mein Opa Fritz das sehn – der täte sich im Grab rumdrehen!

Wer da hinne Parkplätz zählt, stellt schnell fest, dass Parkraum fehlt. Un wie mein Mann schon immer sacht, gehört die Siedlung überdacht. Obbe parke, unne wohne – dass tät unser Dächer schone un von de ganze Parkeinnahme, könnte wir in Urlaub fahre,

um die Sonne mal zu sehn, Ach -? – „Wär das nit wunderschön?“

Dieser Vorschlag is beschisse, die Siedlung gehört abgerisse, das meint jedenfalls die Stadt, die scheins eins am Sträußje hat. Täten die hier selber leben, wär ganz anners ihr Bestreben, lebenswerten Raum zu schaffe, stattdesse macht se sich zum Affe.

Bürgermeister, Dezernende – denken meistens nix zu Ende, tanzen nach der Wirtschaft Pfeiffe, tun so garnix recht begreife. Was die wünsche, was die wolle, sofort gibt ́s ne Gesetzesrolle bewilligt schnell an einem Daach, mir Siedler wern da nit gefraacht.

So wird alles zugebaut, ein Chaos sich zusammenbraut, der Kollaps, der is nicht mehr fern – im Rathaus - will des keiner hörn.

Hoffenlich kommt nie der Daach, das mer die Feuerwehr ma braach. Weil auch trotz Tatü-Tata – stehen se im Stau schon ah Un bis die – zu Fuß hier angerannt – isses Häusje abgebrannt. Wards`de auf de Notarztwaache – trotz Martinshorn kann schnell nit fahre, läängst biste elendlich verreckt – weil der zu lang im Stau gesteckt.

Un müsst mein Opa Fritz das sehn – der täte sich im Grab rumdrehen! (…)

Büttenrede – Die lärmgeplagte Anwohnerin

comments

Ein Kommentar zu Büttenrede einer lärmgeplagten Anwohnerin

  1. Da sag ich doch noch ma, danke Anke.
    Es war super und vom Anfang bis zum Ende
    kann jeder Siedler verstehen um was es geht.

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