MEINUNG – Monstertruck-Stuntshows sonntags in Wohngebieten – Wer braucht das?

MEINUNG - Monstertruck-Stuntshows sonntags in Wohngebieten – Wer braucht das?

(Anmerkung: Artikel, die mit “MEINUNG” gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Haltung von allen durch die Initiative “Biebricher gegen Verkehr XXL” vertretenen Bürgern wieder, sondern stets jene des Verfassers.)

Es ist an Instinktlosigkeit nicht zu überbieten. Anwohner klagen ohnehin seit langem über die Belastung des Gebietes und gegen die Erweiterungspläne des Möbelgiganten XXXLutz, doch deren Geschäftsleitung von Mann Mobilia vermietet erneut ihren Parkraum an eine lautstarke Stunt- und Actionshow, die wirklich kein Mensch braucht. Schon gar nicht sonntags in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten.

Plakat zur Show am 17.6.2012

Plakat zur Show am 17.6.2012

Aus den Medien erfuhr man zuvor wenig bis nichts, erst ca. 10 Tage vor der Veranstaltung wurden solche und weitere Plakate entlang der Äppelallee und anderer Hauptverkehrsstraßen befestigt. Das XXXL-Logo als Veranstaltungsort ist klar erkennbar, obwohl die Konzernleitung sich unwissend gab.

Persönlich glaube ich sogar daran, dass es dem Pressesprecher von XXXL, Herrn Julian Viering, am vergangenen Donnerstag ehrlich peinlich war, dass eine solche Veranstaltung kurz vor Baugenehmigung bzw. unserer Klage dagegen stattfindet und die Konzernleitung nichts davon weiß. Nur ist schnell ergoogelt, das verschiedene XXXL-Märkte in Deutschland zuletzt ihre Parkplätze für solche und ähnliche Stuntshows untervermietet hatten. Es scheint dort mithin Usus zu sein, solche Mitnahmeeffekte zu erzielen.

Wie diese Effekte sich an Ruhe- und Feiertagen auf andere, Unbeteiligte auswirken, sollte man trotz schlechter Tonqualität einer recht einfachen Digitalkamera (Canon IXUS 100 IS) bei aufgedrehtem Lautsprecher im folgenden Youtube-Video durchaus wahrnehmen können:


VIDEO: XXXL Monstertruckshow am 17.6.2012

Hier widerspricht Betriebswirtschaft wieder einmal Menschenrecht. Die Geschäftsleitung des Marktes an der Äppelallee dachte vermutlich entsprechend und eben nicht an uns. Die Beteuerung vom XXXL-Konzernsprecher, man habe in Krisensitzungen Donnerstags die Veranstaltung noch stoppen wollen, Verträge waren aber einzuhalten, kann man glauben oder nicht. Es wurde durchgezogen und hat jeden Nachbarn, den ich bislang getroffen habe, wieder tierisch genervt. Denn der Rückschall durch die Häuser ist auf jedem Grundstück anders, aber überall störend wahrnehmbar. Ob XXXL künftig tatsächlich auf uns Rücksicht nimmt, sei dahingestellt.

Das Beste auch daran. Bis 2 Tage vor der Veranstaltung wusste selbst das Ordnungsamt nichts von dieser “Stuntshow” und sah sich auch, außer wenige Auflagen zu machen, nicht in der Lage, dieses Pseudo-Volksfest zu verhindern.

Die "Wagenburg" rund um die Stunt-Show Ecke Äppelallee/Friedrich-Bergius-Straße

Die “Wagenburg” rund um die Stunt-Show Ecke Äppelallee/Friedrich-Bergius-Straße

Erfreulich daran: Die Verwaltung von Wiesbaden zeigte sich ähnlich entsetzt wie wir über das Vorgehen des Veranstalters. Er hatte sich weder bislang (erst seit Übernahme von Mann Mobilia durch XXXLutz kam es überhaupt zu solch lautstarken Fremdvermietungen) noch für die aktuelle Veranstaltung bei der Stadt angemeldet.

Offensichtlich genügt ein Reisegewerbeschein um auf Privatgrundstücken solche “Events” zu organisieren. Meinte zumindest der Veranstalter, der sich jedoch, wie uns zugetragen wurde, mit der Drohung seines Anwalts keine Freunde bei der Stadtverwaltung machte und sich am nächsten Tag beeilte, ordnungsrechtliche Fragen zu klären.

Nur über die kürzlich aktualisierte Gaststättenverordnung jedoch (da auch Essen und Getränke angeboten wurden) sah sich das Amt überhaupt in der Lage, dem Veranstalter Auflagen zu erteilen. Wir kennen diese nicht. Wir vermuten, man hat unsere langjährige Kritik aufgegriffen, zumindest die Lautsprecher weg von den Wohngebieten zu drehen. Denn, obwohl man die Sprecher (Video oben) leider immer noch laut genug hört, dass war (je nach Windlage) schon schlimmer. Auch der Besuch dieses “Events” war an diesem, sonst eher verregneten Wochenende, eher mäßig, wie mir persönlich scheint.

Plakat 1800 PS Methanol

Plakat 1800 PS Methanol

Doch was hilft die (immer noch unzureichende) Mäßigung von Lautstärkerbeschallung, wenn 1.800 PS Monstertrucks Zwischengas geben? Und Stuntmen oder solche die sich dafür halten Reifen quietschen lassen? Und man Sonntags, wo man vielleicht mal ausschlafen möchte, dadurch geweckt wird?

Diese Shows liefen immer rund 2 1/2 Stunden, von 11:00 bis 13.30 Uhr und erneut ab 16:00 Uhr. Mit ensprechendem An- und Abreiseverkehr davor und danach. Weitgehend eben innerstädtisch, also nicht direkt auf die Autobahn, sondern durch die Wohngebiete über die Äppelallee.

Wir leben bereits seit vielen Jahren, fast Jahrzehnten, mit einem Flohmarkt am ersten Sonntag im Monat. Dann wird ohnehin von früh morgens bis mittags querbeet wild in den Wohnsiedlungen geparkt, aber es bleibt sonst, außer mehr Verkehr, weitgehend ruhig. Damit kann man gerade noch leben, aber das wars dann auch. Solche Veranstaltungen sind schlichtweg eine Unverschämtheit.

Mit sarkastischem Verlaub: Was kommt als Nächstes? Große Sonntags-Erotikmesse im gegenüberliegenden Sexshop? Echt hamburgerische Fischversteigerung bei Pflanzen-Kölle? Nachtverkäufe aller Art hatten wir bereits hinlänglich hier angesichts der Eröffnung von Media-Markt kritisiert und dokumentiert. Es reicht. Es reicht wirklich!

Solche “Events”, die angesichts eines grünen Schildes, welches sich Mainz und Wiesbaden mit ihren Umweltzonen anheften wollen, ohnehin fragwürdig erscheinen, gehören auf die platte, echte, grüne Wiese. Nicht neben ohnehin über Gebühr lärmbelastete Wohngebiete.

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Ein Kommentar zu MEINUNG – Monstertruck-Stuntshows sonntags in Wohngebieten – Wer braucht das?

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